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Montag, 12. Dezember 2011

Weihnachten steht vor der Tür

Ich bin's mal wieder seit längerer Zeit. Viel Arbeit, wenig Schlaf und recht wenig Freizeit: die Zutaten, die einen ordentlichen Trainingsrückstand ausmachen. Na ja, wen wundert's? Zum Jahreswechsel gibt's sehr viel zu tun auf Arbeit. Die Motivation, sich aufs Rad zu setzen, geschweige denn, Crossrennen zu fahren, hält sich sehr in Grenzen. Wenigstens passt das Wetter. Meistens. Momentan steht der Radspocht bei mir nicht im Vordergrund, und das ist ganz gut so. Man(n) gönnt sich halt auch mal was, und sei es nur Ruhe, denn es ist ja bald Weihnachten, habe ich gehört. Nächstes Jahr geht's wieder in die Vollen; der erste Schnee wird sicher auch bald kommen. Die Ski sind präpariert, die Bikes fast alle rennfertig, neue Winterräder am Kfz sind nach diversen Problemchen endlich auch montiert, soll heißen, dass das Material schon stimmig ist. Jetzt noch etwas am ollen Güdö feilen, dann kann's losgehen. Freude ...

Dienstag, 1. November 2011

Back from the Kur

So, ich bin seit zwei Wochen daheim und die Nachwehen der Kur sind fast überstanden. Bin gleich im Anschluss wieder voll arbeiten gegangen und fahre ein wenig Rad, um einigermaßen dünn zu bleiben. Was fehlt mir? Na ja, die Massagen waren nicht schlecht und auch der Ausgleichssport mit den beiden Blondinen; die Therapien aber, die eigentlich gar nix brachten, vermisse ich überhaupt nicht.
Unterdessen traf ich nach einem geschlagenen Jahr mal wieder Carsten „Das Schwein“ Linke, seines Zeichens Schreck der Jedermannrennen. Er sieht immer noch so komisch aus wie früher, und auch neue Sturzwunden konnte er mir präsentieren. Es hat sich überhaupt nichts geändert. Na ja, aber Badminton wollen wir wieder gegeneinander spielen – sicher zu Ungunsten der Halleneinrichtung.
Crossrennen werde ich mal vorsichtshalber nicht fahren, zumal mir im Winterhalbjahr auch das Licht und die Zeit zum Training fehlen, von der nicht vorhandenen Motivation bei Schmuddelwetter mal ganz zu schweigen. Man(n) wird bequem im fortgeschrittenen Alter und kann sich auch mal anderen Dingen widmen – brünetten, blonden, schwarzhaarigen usw. ;-)

Mittwoch, 19. Oktober 2011

News from the Kur, Teil 6

Etwas früher als sonst und deutlich kürzer: der letzte Teil der Kur-Saga.
Ich bin wieder wohlbehalten zu Hause angekommen und habe es auch auf der Autobahn nicht übertrieben. Ein erster Kurerfolg stellte sich schon ein: die Entschleunigung. ;-)
Am letzten Wochenende nahm ich meine beiden Blondinen mit nach Lüneburg und einen Tag später nach Celle. Es waren zwei sehr schöne Ausflüge, die wider Erwarten ohne makabre Zwischenfälle vorübergingen. In Celle war nicht viel los, so dass wir eigentlich nur auf den Rathausturm geklettert sind und anschließend beim Griechen essen waren. Sehr lecker, der Gyros. Absolut empfehlenswert.
Am Samstagabend wurde dann wieder Tabu gespielt; ich blieb diesmal verschont von schlüpfrigen Begriffen. Das Ganze zog sich bis nach Mitternacht hin. Sonntags habe ich mit der jüngern Blondine DVD geschaut. „2012“ hieß der Blockbuster, wobei der Filmtitel wörtlich zu nehmen war.
Beim Abendessen zuvor verlor gottlob niemand seine Hosen, doch rammte mir eine meiner Tisch-SUDFJADs den Stuhl ins linke Knie. Diese SUDFJAD stand schon lange auf dem Index der Reha-Einrichtung. Sie hat einige Männer auf dem Gewissen. Dem einen knickte sie den Fuß um: Muskelfaserriss und sechs Wochen Pause. Dem anderen trat sie in die Wade: Gefäßverletzung inkl. Operation und Kurabbruch. Einem weiteren rammte sie ihren Ellenbogen in den Bauch und mir ihren Stuhl ins linke Knie. Sie wurde von uns nur noch „Der Killer“ genannt.
Montags gingen dann endlich wieder die Therapien los. Meine Lieblingstherapie war natürlich der Spocht. Unser kleinwüchsiger Spochtlehrer hatte dabei den Einfall, mit ca. dreißig Damen und wenigen Männern Völkerball zu spielen. Ich selbst war begeistert, endlich mal ein Mannschaftsspiel mitmachen zu dürfen. Schnell wurden die Mannschaften gebildet, die vorwiegend aus SUDFJADs bestanden. Der Spochtlehrer erklärte schnell die Spielregeln, und schon ging’s los, das Gebolze. Doch offensichtlich haben manche die Spielregeln nicht so richtig geschnallt. Die SUDFJADs schossen ihre eigenen Mitspielerinnen im eigenen Feld ab oder warfen den Ball nach hinten zum gegnerischen Strohmann, der sie daraufhin brutal abschoss. Oh Mann, schämte ich mich fremd. Ich selbst wurde wieder gebeten, nicht so straff zu schießen, da einige der SUDFJADs sündhaft teure Brillen trugen. Und obwohl es sich nur um ein harmloses Spiel handelte, wurde doch so mancher Ehrgeiz geweckt. Mich selbst erwischte es in Minute 20, als es eine der wenigen SUDDJADs auf mich abgesehen hatte, den Ball recht straff auf mich warf, ich den Ball spektakulär fangen wollte, mir dies völlig misslang und mein Einsatz in voller Breitseite auf dem Parkett endete. Natürlich war es wieder die linke Seite meines geschundenen Körpers. Folge: Sturzwunde von Salzwedel wieder offen und blutig sowie Prellung des linken Hüftgelenks. Da ich ja nun raus war, musste ich mich zurückschießen ins Spielfeld. Mit ordentlich Wut im Bauch bekam ich auch schon den Ball und ballerte ihn voller Wucht einer SUDFJAD zwischen die Beine. Das tat sicher weh, mir aber vorher auch, und ich war wieder im Spiel. Am Ende schoss ich auch noch den Strohmann der gegnerischen Mannschaft (eigentlich Strohpuppe) mit einem harten Treffer auf den Po ab. Das war der Sieg für unsere Mannschaft und ein blauer Fleck für die Strohpuppe.
Beim Badminton am Abend mit der jüngeren der beiden blonden SUDDJADs war ich dann aber quasi chancenlos wegen der Schmerzen. Dafür sind meine Nackenschmerzen endlich Geschichte, der Massage und Krankengymnastik sei Dank.
Nun nahte auch schon der Tag des Abschieds. Ich bekam sehr schöne Geschenke von meinen beiden Blondinen und ließ die eine SUDFJAD noch mal so richtig an mir rumknuddeln. Sie meinte, ich wäre aber auch so knuffig. Ich ließ es über mich ergehen und knuddelte selbst so um die fünfzehn Damen in wenigen Minuten. Wahnsinn, und das als introvertierter Dönerverkäufer.
Nun ja, was nehme ich mit von der Kur? Ein paar Schürfwunden, eine Prellung, ein paar neue Herzprobleme, etwas Panik deswegen, Missmut über die Ärzte dort und die Behandlungen, aber auch einige neue Kontakte, die ich ausschließlich mit Damen geknüpft habe, und die Erkenntnis, doch recht beliebt gewesen zu sein bei der Kur.
Jetzt bin ich wieder zu Hause, verfüge hier am NDW (Nabel der Welt) endlich wieder über Highspeed-Internet und genieße mein eigenes breites Bett, in dem ich beinahe perfekt geschlafen hätte, wenn mich heute früh beizeiten nicht eine der beiden Blondinen angerufen hätte, um sich nach meinem Status zu erkundigen. Nur ans Klo muss ich mich neu gewöhnen, sind die in Sachsen doch irgendwie viel tiefer gelegt als im Norden.
Ich werde mich nun in die Saisonpause verabschieden und hoffe, in der nächsten Zeit von Kuren verschont zu bleiben. Haltet die Ohren steif und bis demnächst in diesem Theater! Der Güdö.

Samstag, 15. Oktober 2011

News from the Kur, Teil 5

Nun denn, die Menopause scheint vorbei zu sein, denn es stehen wieder Betten vor den Zimmern … Zeit für den Wochenblog.
Letztes Wochenende war eher bescheidenes Wetter, also ging’s nur kurz aufs Rad und danach mit meinen beiden Blondinen nach Uelzen in zwei Spielwarenläden, auf den Hundertwasser-Bahnhof und in ein China-Schnell-Restaurant. Letzteres war wider Erwarten sehr zum Verweilen geeignet, da das Essen bestens schmeckte, es schön warm war und es draußen kübelte wie bekloppt. Im Hundertwasser-Bahnhof dagegen lief gerade eine Verfolgungsjagd. Der Kriminelle rannte mit drei Bierflaschen an mir vorbei und rief: „Scheiß Bullen.“ Die beiden „Bullen“ verfolgten ihn im Laufschritt. Sonst war’s eher unspektakulär. Abends probierten wir dann das gekaufte Spiel – Tabu hieß es – aus. Eher nix für mich, weil man da Begriffe erraten muss, ohne bestimmte Wörter zur Verfügung zu haben. Das gipfelte darin, dass ich den Begriff „Wunderlampe“ erklären musste, ohne die Worte Flaschengeist, Aladin, 1001 Nacht, Mr. Propper, Orient usw. verwenden zu dürfen. Wie erklärt man das? Nun ja, ich sagte: „Wenn man dran rubbelt, kommt was Großes raus.“ Cheise war’s, merkte ich alsbald. Nachdem das höllische Gelächter der fünf anwesenden SUDDJADs verebbt war, bekam ich dennoch keinen Punkt, da der Begriff NICHT erraten wurde. Wie soll ich das denn noch erklären, Mensch? Wieder mal ins Fettnäpfchen getreten.
Unterdessen hatten wir auch wieder Gruppentherapie. Eine Sitzung, die ich gar nicht leiden kann, weil’s dort eher deprimierend zugeht. Ich lockere die Therapie manchmal etwas auf und verarsche den Therapeuten, wenn er mich verarscht. Neulich bekam ich sogar Lob von den SUDFJADs in unserer Gruppe wegen meiner lockeren Art während der Therapie; die Eine (die Milchdrüsen-SUDFJAD) fand das so knuffig, dass sie mich knuffte, weil ich es ihr erlaubte. Die knufft mich sehr gerne, dünkt mich. Heute schon wieder.
Beim Plantschen im Pool (Kampfschwimmen) unter der Woche blieb ich noch eine Weile länger im Wasser, als es mein Stundenplan vorsah, also quasi illegal. Ich nahm noch an der Wasser-Rückenschule teil. Es waren dann ca. 25 SUDFJADs und einige SUDDJADs nebst einem Burni, also eine richtige SUDFJAD-Suppe. Wir bekamen jeder einen kurzen Besenstiel und ein stramm sitzendes Schaumgummidingsbums, was man auf den Stiel aufstecken musste. Wir sollten damit Übungen für den Oberkörper nach Anleitung machen. Das Schaumgummidingsbums erschwerte natürlich die ganze Sache wegen des Auftriebs. Irgendwann sollten wir damit auch das Angeln simulieren, besser gesagt, das Auswerfen der Rute. Ausgerechnet mein Schaumgummiteil saß recht locker auf dem Stiel. Ich warf die Rute und flutsch, flog das Schaumgummiding durch die 20-Meter-Halle einer SUDFJAD mitten auf ihre zwei Sturmbojen. Das Gelächter war sehr groß, doch mir war das Ganze sehr peinlich und ich fiel mal wieder negativ auf. Auch der Spochtlehrer meinte: „Aha, Sie schon wieder!“ Ich ließ mir anschließend einen neuen Stiel geben, auf dem das Teil besser saß. Kurz darauf mussten wir mit dem Schaumgummiteil unter Wasser ein Stampfen simulieren. Fragt mich nicht, wozu das gut ist, aber ich tat es. Wie gesagt, Gruppenzwang. Der Auftrieb von dem Teil war allerdings so enorm, dass mir der Besenstiel zwischen die Beine wanderte, mich Leichtgewicht aushob und eine Rolle im Wasser machen ließ. Ergebnis: Kopf unter Wasser, Beine oberhalb des Wassers, Stiel zwischen den Beinen. Das Gelächter war schon wieder groß. Ich mache das nicht absichtlich, im Gegenteil. Ich versuche, mich stets zusammenzureißen und nicht aufzufallen, doch irgendwie ziehen mich solche Missgeschicke an. Cheise ist das.
Am nächsten Tag kurz vorm Ende des Abendbrots kam eine dicke SUDFJAD mit ihrem Rollator vorbeigerollert und schien direkt an unserem Tisch die Trainingshosen zu verlieren, weil sie sich die Teile auf einmal schlagartig nach oben zog und rumfluchte. Ich fragte meine Tisch-SUDFJADs, ob die sich jetzt tatsächlich die Hosen hochgezogen hat und in Schlüppies (= Zelte) hierstand. Die fingen auf einmal fürchterlich an zu lachen. „Nee, die hat sich nur die Hosen zurechtgerückt, weil die beim Essen hochgerutscht sind.“ Mann oh Mann, eine Dicke in Schlüppies wäre beim Essen das Letzte gewesen. Zum Dank an meine Fehldeutung lag dann auch gleich wieder ein Zettel vom Arzt im Briefkasten, ich solle doch am folgenden Tag frühs, mittags und abends zur Blutdruck- und Pulskontrolle kommen. Das k… mich echt an, zumal ich da häufig Panik schiebe bei so was. Die delegieren mich auf meine letzten beiden Tage bestimmt doch noch in die Herzklinik nach Bad Bevensen. Der ganze Kuraufenthalt war geprägt von der Angst, einen Herzfehler zu haben, der daheim noch nie diagnostiziert wurde, und kurz vor der Abreise noch das. Ich sagte ja bereits, dass teilweise Truppenteile von Patienten von hier in die nahegelegene Herzklinik transportiert und untersucht werden. Da fließen sicher Gelder zwischen beiden Häusern … Die Kur war eigentlich völlig für den Arsch und hat die Sache nicht verbessert, im Gegenteil … Wenn also jemand zur Burni- oder Panikattackenkur nach Bad Bodenteich muss, Vorsicht! Man kommt hier als Gesunder an und geht u. U. als Schwerkranker. So in dieser Art beschwerte ich mich am folgenden Tag bei meinem Therapeuten, und siehe da, es geht doch. Er setzte das Blutdruckmessen und weitere durchaus mögliche Untersuchungen ab, nachdem ich ihm nochmals erklärte, Leistungssport zu betreiben.
Mein Abschlussgespräch dagegen führte ich übrigens mit einem bulgarischen Arzt und nicht mit meinem eigentlichen medizinischen Betreuer. Ich hatte mit dem Bulgaren noch nie ein Wort gewechselt. Und dann ist er auch noch Gynäkologe. Ich hatte seit über 36 Jahren keine Probleme mehr mit meinen Eierstöcken oder der Gebärmodder, und jetzt führe ich ein Abschlussgespräch mit einem Frauenarzt, der kaum Deutsch versteht? Was für ein Schwachsinn. Wenn ich sage, dass ich mit der Art und Weise, wie hier „therapiert“ wird, nicht einverstanden bin, schabt der mich zum Dank noch aus. Großartig. Na ja, ich habe mir mal vorsichtshalber den Hintern rasiert für alle Fälle …
Am Vorabend spielte ich zur Abwechslung wieder mal Badminton mit meinen zwei Lieblingsblondinen. Dumm nur, wenn ein Tischtennisball die Flugbahn meines Federballs kreuzt, der sehr dicke Tischtennisspieler dem Tischtennisball hinterhergeht, in die Schlagbahn meines Talbot-Badmintonschlägers gerät, mit dem ich gerade ganz fürchterlich aushole, um den Federball zu treffen, den Schlag voll durchziehe, um letztendlich nicht den Federball, sondern die Wampe des dicken Tischtennisspielers zu treffen, der zwischen Schläger und Federball gerät. Es machte fatsch, und die Halle tobte, doch dem Dicken machte der Volltreffer nix aus, im Gegenteil. Er fragte mich nur, ob mein Schläger noch ganz sei. Er war es glücklicherweise. Heute allerdings hatte der Dicke einen Abdruck vom Schläger auf seinem Bauch, sagte er mir. Die Dicken sind eigentlich ganz witzig und jammern nicht herum wie die Depris. Sie wohnen zumeist im Erdgeschoss, damit die Gebäudestatik nicht beeinträchtigt wird. Einer von denen hat in den letzten Wochen 70(!) Kilogramm abgenommen und wiegt jetzt nur noch lächerliche 200 Kilo. Respekt.
Was gab’s sonst noch? Ach ja, gestern wurde endlich nach drei Wochen meine Bettwäsche gewechselt. Nach einer Woche war sie ja schon blutig vom Arm. Besten Dank, denn ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet! Dann ist unser Tischkroate vorzeitig entlassen worden. Man hat ENDLICH gemerkt, dass es die völlig falsche Therapieeinrichtung ist für jemanden, der im Balkankrieg einen Bauch- und einen Beinschuss erhielt, viele schlimme Erinnerungen in sich trägt, traumatisiert ist und nicht gut Deutsch spricht. Seine letzten Worte waren so in etwa: „Alle Frauen scheiße sehen aus hier. Die sind so dick und dreckig, die brauchen eine Flex zum Zähneputzen.“ Wenn das schon ein Kroate sagt, auweia. Jedenfalls bin ich für ihn bei der progressiven Muskelentspannungstherapie eingetreten; die war toll, bis der Schlagbohrer nebenan wegen des Wasserrohrbruchs einsetzte und mich aus den Träumen riss. Außerdem pennte eine SUDFJAD ein und schnarchte. Ja, auch Frauen schnarchen. Die sind alle so müde hier, das geht gar nicht.
Und da ich jetzt auch müde bin und in wenigen Stunden mit zwei Blondinen nach Lüneburg oder Celle fahren werde, sage ich mal schnell tschüss bis demnächst. Euer Burni.

Freitag, 7. Oktober 2011

News from the Kur, Teil 4

Es ist schon wieder Freitag. Mensch, vergehen die Tage hier schnell. Und noch keine Betten vor den Zimmertüren? Was ist denn hier los? Menopause?
Letztes Wochenende habe ich mal etwas intensiver die Gegend erkundet. In Salzwedel habe ich dann auch prompt die Straße vermessen, besser gesagt, den Radweg. Es lag ein wenig Schotter in der Kurve, und da hat’s mich vom Bike gewedelt. Natürlich - wie immer - die linke Körperhälfte neu tapeziert und mit schön blutender Asphaltflechte zurück in die Herberge gedüst und selbst verarztet. Das Waschbecken sah nach dem Ausbürsten der Wunden aus wie Fury in the Slaughterhouse. Ich mache MarkUs WernEr langsam Konkurrenz, was Stürze angeht. Einen Tag später bin ich dann frei Schnauze in die andere Richtung geradelt und in Celle rausgekommen. Auf dem Rückweg musste ich feststellen, dass mein Orientierungssinn doch nicht mehr der allerbeste ist, und plötzlich Hannover und auch Hamburg ausgeschildert waren. Da hatte ich mich schön vertan, fand aber dank des Navi-Kompasses doch noch den Weg nach Hause. Die Tour wurde dadurch etwas länger.
Aber ich war nicht nur radeln, sondern auch mit dem Auto in der Pampa unterwegs. Lüneburg (LG) ist nur 60 km entfernt, und so dachte ich mir, fährste hin und guckste dir das Nest mal an. LG ist eine recht idyllische Stadt und war an diesem Tage bestens besucht. Ich unternahm u. a. einen Abstecher auf den sog. Wasserturm. Für wahnwitzige 3,90 EUR nahm ich aufgrund des Graukappengedränges vor dem Fahrstuhl die Treppe. Oben angekommen, bot sich ein fantastischer Blick über die Lüneburger Heide und Umgebung. Aber was waren das für merkwürdige Leute auf der Aussichtsplattform? Aha, es wurde gerade eine Hochzeit gefeiert. Aber wie sahen denn das Brautpaar und ein paar der Trauzeugen aus? Oh Cheise, ich war mitten in eine lesbische Hochzeit geraten. Das waren Frauen mit kurzen Haaren, Schlips und männlicher Stimme. Beim Brautpaar konnte man auch sehen, wer hier der „Mann“ war und wer die Frau. Ich schnell wieder runter und weg, bevor die mich noch als Blumenmädchen missbrauchten.
Unterdessen nähere ich mich in der Kureinrichtung der SUDDJAD-Zielgruppe an. Es sind zwei Blondinen, wobei eine 1,85 m misst. Es ist i. Ü. nicht Brigitte Nielsen. Die andere ist jünger als ich und sehr attraktiv. Na ja, habe sie beide im Audi mitgenommen, und wir sahen uns den Märchenpark in Salzwedel an und Salzwedels Innenstadt. Und abends duelliere ich mich mit beiden nun regelmäßig beim Badminton. Leider treffe ich immer noch diverse Weichteile und muss pro Treffer einen Riegel Kinderschokolade rausrücken. Cheise, nun habe ich bald keine mehr. Neulich schnappte ich mir die jüngere Blondine und fuhr mit ihr nach Uelzen, um einen vernünftigen Badmintonschläger zu kaufen. Seitdem schmettert sie auch recht heftig. Mist.
Unserem Tischkroaten ist in der Zwischenzeit auch ein Missgeschick passiert. Beim Duschen blieb er beim Schließen des Duschvorhangs unbewusst an der Alarmleine hängen. Zwei Minuten später standen zwei Schwestern und ein Arzt bei ihm in der Duschkabine. Er erschrak fast zu Tode, konnte aber den kleinen Kroaten gerade noch mit einem Handtuch verdecken. Wenige Tage später musste er aus dem Zimmer ausziehen, weil ein Wasserrohrbruch unsere Etage heimsuchte. Normalerweise passiert nur mir so was - auf Arbeit - und ich war überrascht, diesmal bis auf den Heizungsausfall halbwegs verschont zu bleiben, obwohl ich im Zimmer 13 wohne.
Unter der Woche war ich nun schon zum dritten Mal beim EKG. Die Ärzte hier haben ein Problem mit meinen „Kurven“ und machen mir das Leben hier nicht leicht. Man muss bedenken, dass in der Nähe eine Herzklinik angesiedelt ist und sehr häufig Patienten von hier dorthin verfrachtet werden und ein Leistungs-EKG, Ultraschall oder sogar einen Herzkatheder bekommen. Meistens ist aber alles i. O. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Beim Bowling mit den Dicken habe ich auch schon zum dritten Mal in Folge gewonnen, so dass mir die Herausforderung fehlt – und der Platz auf der Sitzbank wegen der recht breiten Mitspielerinnen. Dafür habe ich jetzt Massage und Krankengymnastik für meinen Nacken erhalten. Das fetzt und hilft wirklich. Die Schmerzen lassen langsam nach.
Das Highlight der Woche war aber die Tanztherapie. Ja, der Burni musste tanzen, und zwar in der Gruppe. Eine Dame verließ gleich zu Beginn den Raum, doch ich blieb hart. Wir wurden von einer Tanztherapeutin in Richtungs- und Kreistänze eingewiesen. Vorher sollten unsere Füße in unsere Gedanken wandern. Eigentlich müsste es ja andersrum heißen, aber wurscht. Und sie regte uns an, doch auch mal zu gähnen. Sie selbst gähnte quasi ständig. Nun denn, los ging’s mit einem irischen Richtungstanz und verschiedenen Interpretationen der Gestik und Mimik eines jeden. Nachdem meine Füße in meinen Gedanken angekommen waren, legte ich auch schon voll los – nach vorn, nach hinten, nach links und nach rechts. Das zog sich dreißig Minuten hin. „Darf ich Sie dazu einladen, Ihre Bewegungstendenz in Ihren Gedanken zu analysieren?“, fragte sie anschließend immer. Leider konnte ich das nicht, denn dort waren ja noch meine Füße. Weiter ging’s mit einem mittelalterlichen Kreistanz. Ringelreihe, vier Schritte vor, wieder zurück, vier Schritte nach rechts und wieder zurück. Meine rechte Nachbar-SUDFJAD verzählte sich hin und wieder, so dass ich sie beim imaginären fünften Schritt immer wieder zurückzerren musste, damit sie nicht abhaut. Sorry, wenn’s vielleicht manchmal etwas derb war. Das war übrigens die SUDFJAD, die mich zu Beginn meiner Kur an ihre linke Milchdrüse gepresst hat. Diesmal verschonte sie mich beim Abendessen. Offensichtlich hatte ich mich aber dennoch gar nicht so blöde angestellt, denn nach den neunzig(!) Minuten wollten die SUDFJADs, dass ich dienstags mit zum Tanzen gehe in die Sporthalle, weil dort dramatischer Männermangel herrscht. Ich konnte ihnen das aber ausreden – bis jetzt. To be continued.
Gestern Abend noch mal schön Blondinenbadminton gespielt, obwohl, so schön war’s gar nicht, denn mein männlicher(!) Doppelpartner ließ bei dem einen oder anderen Schmetterschlag immer mal einen fahren und dachte, ich hör’s nicht, die olle Sau. Ich hoffe, heute steht er nicht am Start, denn heute bin ich schon wieder verabredet …
Dann genießt mal das Wochenende und passt beim Schmettern auf!

Freitag, 30. September 2011

News from the Kur, Teil 3

Es ist langes Wochenende, und die Gästebetten stehen schon wieder vor den Zimmertüren … Zeit, um mal wieder was zu schreiben from the Burni-Kur. 
Mir geht’s ganz gut, nur Nacken und Schädel schmerzen immer noch vom Geyerischen Missgeschick. Ich habe mir vom Arzt Massagen und auch eine Krankengymnastik speziell für die Halswirbelsäule verschreiben lassen und erhoffe mir endlich Besserung.
Die Therapierunden und auch die Klinik sind fast durch die Bank mit Depris gefüllt; ich als Burni bin also auch hier dramatisch in der Unterzahl. Entsprechend schwer fällt es mir, mich hier anzupassen und auf die Depris zuzugehen. Neulich sagte mir einer von denen 13.30 Uhr „Guten Morgen!“. Und manche sind leider auch sehr nah am Wasser gebaut … Nicht so schön, so was.
Bei Spocht und Spiel allerdings geht’s auch bei den Depris ordentlich zur Sache. Da sind insbesondere beim Tischtennis und Badminton echte Könner dabei. Das liegt aber vermutlich an der Hintergrundmusik, die unser eher kleinwüchsiger Spochttherapeut hin und wieder aufgelegt hat. „20 cm sind in Wirklichkeit viel größer“ und „10 nackte Frisösen“ lassen einen da schon erschaudern. Der erste Refrain reimt sich nicht mal. Vermutlich scheint der kleine Spochtlehrer damit irgendwas kompensieren zu wollen mit diesem Ballermann-Medley, keine Ahnung. Beim Kampftauchen in der hiesigen Schwimmhalle habe ich mir auch keine Freundinnen gemacht, da ich das Wasserballspiel zu intensiv betrieb und der einen oder anderen SUDFJAD voll auf die Zwölf geschossen habe. Manche dieser SUDFJADs sind auch recht breit, so dass, wenn man sie ins Tor stellt, kein Ball mehr durchpasst. Ich finde das sehr ungerecht. Egal, wo man hinschießt, trifft man immer die dicke Tor-SUDFJAD. Beim Uni-Hockey wurde ich getadelt, doch bitte nicht so straff zu schießen, und beim Badminton fügte ich drei Damen meiner(!) Zielgruppe blaue Flecken zu, weil ich den Federball auf ihre Weichteile oder ins Gesicht schmetterte. Ich hab’s also recht schwer hier als Nicht-Depri, aber Brutalo-Burni.
Der eigentliche Hammer allerdings war die Atemtherapie. Da sollten wir uns alle hinlegen und entspannen. Daraufhin nahm der Therapeut ein Buch zur Hand und las uns eine Geschichte daraus vor, die da lautete: „Die kleine Elfe Sonnenschein auf ihrer Reise durch den Elfenwald“. Also hier setzte es bei mir aus. Mann, ich habe Maschinenbau studiert und glaube an den Urknall. Ich war im falschen Film. Als es dann auch noch neben mir zu schnarchen anfing, musste ich all meine Kräfte aufbringen, um nicht anzufangen, herzhaft zu lachen. Da ist doch tatsächlich einer eingepennt. Sein Schnarchen wurde immer lauter, so dass ich das Märchen von der Elfe Sonnenschein überhaupt nicht mehr verstand. Ich hatte gehofft, sie trifft einen schönen Elf und fliegt über die grünen Wiesen und Wälder, vorbei an duftenden Blumen und tiefblauen Flüssen hinein ins schöne Elfenland, doch nee, der Typ musste ja einpennen und mir mein Märchen verstümmeln. Und das hat niemanden(!) gestört. Der Therapeut las einfach weiter, obwohl aller paar Sekunden ein Grunzen den Raum durchdrang. Die haben hier alle eine Ruhe drauf, das geht gar nicht. Also entspannt habe ich mich leider nicht, im Gegenteil.
Was ich aber jedem Betroffenen empfehlen kann, ist autogenes Training. Da darf man sogar einschlafen. Ist mir auch passiert. Da war ich seit Langem mal wieder völlig entspannt. Angenehme Stimme der Therapeutin, sanfte Musik, die Arme werden schwer, die Beine werden schwer, der Kopf wird schwer, mein Magen wurde schwer, denn es gab zum Essen Erbseneintopf und Spätzle. Dennoch schlummerte ich sanft dahin, und zwar ohne an die Auswirkungen des Mittagessens zu denken.
Inzwischen bin ich aber wieder aufgewacht und habe begonnen, mich den SUDDJADs, also den so um die dreißig Jahre alten Damen, zu nähern ... Das zur Frage von Carsten B. Auf der Liegewiese heute bei herrlichstem Spätsommerwetter wurde ich doch tatsächlich gebeten, mich näher zu den SUDDJADs (Zielgruppe) zu setzen. Eine davon war nicht mal übel. Die SUDFJADs (nicht die Zielgruppe) allerdings bemerkten das und fingen an zu grölen, ich solle doch wenigstens mein T-Shirt ausziehen und den Waschbrettbauch zeigen. Leider herrscht in der Klinik Gruppenzwang, so dass mir nichts anderes übrigblieb, mich obenherum zu entblößen. Die SUDFJADs waren fortan still. Ich weiß jetzt nur nicht, ob’s der Schock wegen meines braun-weißen Oberkörpers war oder wegen meiner Traumfigur … Sei es drum.
Viel Erfolg beim ABM … und seid froh, dass ich nicht mitmische, so entspannt, wie ich zurzeit bin! ;-)

Sonntag, 25. September 2011

News from the Kur, Teil 2

Weitere Tage sind vergangen, teils recht unspektakulär, teils bedenklich. Nun ja, mein „Leistungssport“-EKG wirft bei den Ärzten hier Skepsis auf – und bei mir mittlerweile auch. Zur Nachkontrolle musste ich schon … Mal abwarten, was da noch so kommt. Mehr möchte ich darüber eigentlich gar nicht wissen. Recht einsam, wenn man eh’ schon kontaktscheu ist, ist es hier auch noch.
Dann habe ich einer der partnerlosen SUDFJADs am Essenstisch ein Kompliment gemacht, dass sie doch jünger aussehe als 50 Jahre. Das hat sie so gefreut, dass sie mich prompt an ihre linke Milchdrüse gepresst hat. Von nun an werde ich mit Komplimenten lieber haushalten. Am gestrigen Abend wanderte ich durch den hiesigen Park, hörte Musik, ging ihr nach und sah unseren Tischkroaten an eine große Laube pinkeln, aus der die Musik kam. Er meinte: „Keine Lust zu gehen auf WC. Ist zu weit weg. Kommst Du rein auch, es sind alle da?“ In der Tat war in der Gartenkneipe die halbe Klinik versammelt; die SUDFJADs tanzten enthemmt zur Covermusik, die ein sagen wir mal durchschnittliches Männer-Duo aus zwei E-Gitarren herauszauberte. Setzte ich mich halt hin und lauschte den Beatles, Pink Floyd, Deep Purple usw. Eine einheimische SUDFJAD war schon etwas angeheitert und führte einen Tabledance ohne Table an einem Befestigungsbalken der ollen Hütte aus. Das Blöde war nur, dass ich direkt hinter dem Pfosten saß, sie mich bemerkte und meinte: „Wat machst du denn da, min kleener Hübscher?“ In diesem Moment ließ sie in voller Absicht den Pfosten los und ließ sich voll in mich reinfallen – mit ihrem Po zuerst. Das tat nicht nur mir weh, sondern auch meinem kleinen Hübschen … „Jut, dass de hier sitzt, da falle ick wenigstens immer weich.“ Haha. Ich hatte an diesem Abend noch häufiger ungewollt Körperkontakt mit ihr, und das, obwohl ihr Mann (sternhagelvoll) hinten am Tisch saß. Ferner wurde ich von einer gar nicht mal so hübschen und gar nicht mal so schlanken Dame zum Tanzen aufgefordert. Ich konnte ihr das aber gottlob ausreden. Sie fand nach einiger Suche doch noch einen ähnlich aussehenden Mittänzer. Ich überlebte diesen Abend nur knapp.
Im nächsten größeren Nest namens Uelzen wurde ich unterdessen von einem Wildfremden gefragt, ob ich nicht für den Radverein RSV Uelzen starten wolle. Er sah mein Crossrad an einer Mauer stehen und wusste scheinbar sofort Bescheid. Ich selbst war in ziviler Kleidung unterwegs, weil ich was besorgen musste, und nutzte das Rad, um ohne Parkgebühren zu zahlen in die Stadtmitte zu gelangen. Ein Glück, dass ich nicht mit meinem Ferrari dort aufkreuzte. Dinge gibt’s. Ei, ei, ei.
An den Wochenenden ist hier tote Hose. Wenn ich  nicht gerade beim EKG rumhänge, nutze ich die Zeit, um die Gegend mit dem Rad zu erkunden. Es gibt hier keinen einzigen Berg. Auf den 111 km heute habe ich gerade mal 363 Hm geschafft. Das ist wie in Belantis beim MTB-Marathon. Flacher geht’s nicht.
So, im Foyer unten ist Pantomime. Da werde ich gleich mal nicht vorbeischauen.
Viele Grüße vom ADW sendet der Burni.

Donnerstag, 22. September 2011

News from the Kur, Teil 1

Um 12 Uhr bestellt, landete ich dienstags Punkt 11.58 Uhr am Arsch der Welt (ADW) in einem Dorf in Niedersachsen. Leider schlief mir die rechte Pobacke bei der Autofahrt ein, so dass ich zwei Tage nicht vernünftig latschen konnte, doch mittlerweile geht’s.
In der Kureinrichtung herrscht ganz dramatischer Frauenüberschuss - von 15 bis 60 alles am Start, auch Mutter-Kind-Kuren, viele Jugendliche mit Essstörung (Magersucht) und sehr viele dicke Menschen (Adipositas). Ich sitze an einem Tisch mit sechs so um die 50 Jahre alten Damen (SUDFJAD) und einem Kroaten, der nicht redet, weil nix verstehen. Es sind alles Burnis oder Depris, ich bin der jüngste Burni von allen. Die SUDFJADs haben eine Menge Spaß miteinander; ich komme mir da schon etwas komisch vor als ruhiger, introvertierter Dönerverkäufer.
Jedenfalls habe ich die Aufnahmeprüfung mit Bravour bestanden: toppfit, der Güdö, zumindest körperlich. Einen Fernseher und das Internet gibt es nur gegen sehr hohen Aufpreis. Da habe ich kurzerhand mein Notebook zum DVB-T-Empfänger mittels DVB-T-Antenne umfunktioniert und mir noch bei Vodafone einen UMTS-Stick besorgt. Jetzt kann ich kostenlos Fernsehen am Notebook (inkl. Fernbedienung und Teletext) und deutlich günstiger ins Internet, und zwar von überall. Doch das Nest hier am ADW ist so weit weg von allem, dass selbst das Funksignal einen Bogen um uns zu machen scheint. Sehr ärgerlich, aber scheinbar gewollt.
In meiner recht spärlichen Freizeit fahre ich hin und wieder mit dem Crossrad durch die Pampa oder sammle Stein- und Birkenpilze, Rotkappen und Maronen, die es hier in Massen gibt – und keiner nimmt sie mit. Mein ganzes Auto ist voller Pilze, die ich dem Vadder übergebe, der in der Nähe arbeitet. Modder wird sich freuen, sie zu putzen, wenn Vadder die Pilze bei Modder abliefert.
Die Zimmer sind recht geräumig, ungefähr so wie die Doppelzimmer in spanischen Hotels, nur das Essen ist nicht so reichhaltig wie in Spanien. Das Klo hat man diesmal nicht direkt an die Wanne gezimmert; es gibt außerdem nur eine Dusche, keine Zwergenwanne.
Über meine Aktivitäten hier am Tag verliere ich mal lieber keine Worte, denn das glaubt Ihr sowieso nicht, was die hier mit einem veranstalten. Jedoch das Sportprogramm, was man hier durchziehen muss, ist nicht übel und fast wie im Trainingslager. Nur die Protagonisten sind halt nicht so fit. In unserer ersten Badmintonstunde (30 min) habe ich zwei Schläger und einen Ball zerstört. Das wird sicherlich meiner Krankenkasse in Rechnung gestellt. Beim Bowlen habe ich haushoch gewonnen, und dann scheine ich auch einen neuen Rekord beim „Joggen um den See“ aufgestellt zu haben. Ansonsten fühle ich mich hier doch recht einsam. Ich kann zwar ganz gut mit einigen der SUDFJADs quatschen, sonst aber gibt’s keine großen Bekanntschaften. Aber ich habe ja noch dreieinhalb Wochen Zeit.
Bis die Tage. Petri heil!


Sonntag, 18. September 2011

Drei-Talsperren-Marathon am 17.09.2011

Es war einmal ein Mann, der war knapp drei Meter groß, ging straff auf die 40 zu, hatte kaum noch Haare auf dem Kopf, mochte schnelle Strecken wie die Vier-Hübel-Tour oder Eibenstock und wurde bekannt unter dem Namen „Der Straßenfahrer“. An ihm sollten wir uns heute messen müssen …
Bestes Wetter am Morgen erleichterte mir das Aufstehen beträchtlich. Der Nacken schmerzte zwar noch recht ordentlich vom Einschlag in einen Geyerischen Holzhaufen sechs Tage vorher, doch unter der Woche konnte ich mich von Torsten-Mützlitz-Größe wieder auf 1,75 m hochstretchen.
Recht zügig war ich in Eierstock angekommen, holte die Startunterlagen ab, gab unserem Puhdys-Austauschfrontmann Onkel Hans-Dieter Birr mal wieder meine Flaschen, lieh einem Unbekannten mein Klopapier, diskutierte mit einem weiteren Unbekannten über meine körperlichen Vor- und Nachteile auf dieser Strecke, stellte mich nach kurzem Einrollern an den Start und fuhr um 9.45 Uhr – diesmal ohne Tinnitus – im Renntempo mit hundert anderen Fahrern auf die lange Strecke über 100 km.
Schnell bildete sich eine Gruppe mit den üblichen Verdächtigen, die da waren: Torsten „Mütze“ Mützlitz, Rumen Voigt, Wauschi, Herr der Windeln, Dr. O, Straßenfahrer Lars und der Dönerverkäufer himself. Mütze schlug ein recht hohes Tempo an zu Beginn, dem Dr. O Tribut zollen musste und reißen ließ – aus Trainingsgründen. Zu fünft ging es über die Talsperre Carlsfeld in Richtung Col de Auers. Trotz des schönen Wetters fing es nun leider an zu tröpfeln, aus den Wolken kam aber nix. Hmm. Hatte Wauschi vor mir seine Flaschen nicht richtig verschlossen? Die Frage wurde beantwortet, als Mütze, der hinter mir fuhr, vorbeirollte und weiße Sommersprossen im Gesicht hatte. Als er nun sagte, ich hätte ihn mit Milch vollgesüfft, war alles klar. Mein Hinterrad ließ Luft, und die Milch dichtete es erst nach einer Weile wieder ab mit dem Ergebnis, dass Mütze mein Dichtmittel aufgrund seiner etwas erniedrigten Sitzposition voll auf die Zwölf bekam. Sorry dafür. Nach 2 km waren der Reifen glücklicherweise wieder dicht und Milchmann Torsten getrocknet. Um die Bergwertung machten sich die drei alten Männer um Wauschi, Lars und Güdö keine Gedanken und ließen die zwei jungen Wilden um Rumen und Mütze gewähren. Die Prämie sicherte sich Rumen – das dachten wir zumindest alle.
Dank des 44er Kettenblatts konnte ich die folgenden langen Abfahrten solide meistern und zusammen mit den Kollegen ein zweites Mal den Col de Auers hinaufradeln. Ich kam unbewusst als Erster oben an, wurde vom Kultverbottler Hans verbottelt und ging mit den vier anderen zum zweiten Mal in die nun recht bevölkerte Abfahrt. Die folgenden 30 km über die Talsperre Sosa, das Wildenbachtal, den Wasserfall, die Talsperre Eierstock usw. ließen wir teilweise in sehr ruhiger und entspannter Fahrweise hinter uns. An der Streckenteilung wurde ich diesmal vom Vereinsvorsitzenden Maik Rudolph höchst persönlich perfekt(!) verbottelt, um nach ca. 70 km auf den zweiten Streckenabschnitt abzubiegen.
Das Tempo war zu diesem Zeitpunkt immer noch recht gemütlich. Jedoch am Schotteranstieg ließ Mütze das Gas stehen und riss die Gruppe dauerhaft entzwei. Der Straßenfahrer und ich konnten das Tempo mitgehen und formierten uns auf der Kuppe zu einem Trio, das sehr gut harmonierte. Rumen Voigt versuchte zwar, sich noch mal ranzudrücken, doch allein schaffte er es nicht. Fortan ging’s zu dritt – nun auch im Renntempo – die langen Forstautobahnen hinüber zum Col de Wauwau (Hundshübel). Das Blöde an der Gruppenkonstellation allerdings war, dass ich, um Mütze zu sehen, nach unten schauen, und um den Straßenfahrer zu sehen, nach oben gucken musste. Ich war also ständig am Nicken wie ein Wackeldackel auf Opas Hutablage, und das mit steifem Hals. Grandios. Im Anstieg zum Col de Wauwau musste Lars, der Doppelstockzug, vom Rad, um etwas Luft nachzufüllen. Ich bekam es nicht richtig mit, aber er hatte scheinbar einen Schleicher, den die Milch zwar abdichtete, jedoch erst nach einer Weile. Torsten blieb diesmal das Los des Milchmannes erspart. Zu zweit attackierten wir, lieb wie wir zwei Kleinen eben sind, nicht, und ließen unseren Vati wieder rankommen. Mütze wurde in der Zwischenzeit vom quarzenden Rudi the Rocket verbottelt; bei mir ging das Flüssige leider schon wieder zur Neige. Nicht so gut. Die letzten Kilometer vor dem heißen Finale brachten wir ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne.
Am finalen Wurzelanstieg zum Parkplatz hinauf bolzten Lars und Mütze jetzt gutes Tempo. Ich konnte blöderweise nur reagieren, weil ich erste Krämpfe bekam. Erst auf dem Parkplatz waren sie wie weggeblasen, und hier gab der Straßenfahrer jetzt ordentlich Gas. Ich blieb zunächst hinter Mütze, um zu schauen, ob er hinterherballert. Er war aber leider aufgrund seiner viel verrichteten Führungsarbeit nicht mehr in der Lage dazu. Nun gut, bin ich halt vorbeigerollert an Mütze und nahm die Verfolgung des Doppelstockzugs auf. Ich kam näher, doch auf einmal war der Berg alle. Cheise. Verzockt. Der Zug bog ins Stadion ein, ich kurz dahinter. Aber er war einfach zu weit weg und rollte kurz vor mir ins Ziel. So ein Mist aber auch. In der Ebene kann der Drei-Meter-Mann mit Fleischmütze ganz schön drauflatschen. Eine Bergankunft hätte mir besser gefallen. Nach ein paar Sekunden rollte auch Torsten ins Ziel, nach ca. 6 min kamen die ersten Verfolger um Hot Doc, Arndt Meschke und Wauschi, dem Windelmann, ins Stadion. Rumen musste den letzten Anstieg wegen seiner Krämpfe sogar zu Fuß zurücklegen. Aber wer ein echter Biker ist, nimmt auch mal einen Fußmarsch in Kauf.
Nun denn, zusammen mit Lars ausgerollert und nach langer Wartezeit und frisch geduscht meine Plakette und die Urkunden entgegengenommen - als auch den WEB-Cup-Sieger-Preis für Waldmeister Heinke – und sein Geld, hihi. Den Bergpreis holte sich … der Torsten. Häh? Dieses Jahr wurden beide Überfahrten über den Col de Auers zusammengezählt. Mütze war zweimal Zweiter und haschte somit mir (4. und 1.) den Preis vor der Nase weg. Cheise. Doch ich hatte auch Glück an diesem Tag und schrammte bei der Tombola nur haarscharf an einem der Preise vorbei. Manch einer hatte leider Pech und fuhr mit einer Plastiktischdecke oder einer Damenhandtasche gen Heimat. Noch mal Schwein gehabt.
So, ich verabschiede mich nun zur Reha Richtung Norden und werde hoffentlich im nächsten Jahr ohne die Probleme wie in 2011 an den Start gehen können. Sollte ich da oben im kühlen Norden WLAN haben, dann werde ich sicher von mir hören lassen, wie es mir beim Töpfern, Zeichnen, Häkeln und Stricken so ergeht. Besten Dank an dieser Stelle an Onkel Hans, der mich in den letzten Rennen perfekt und stets hochmotiviert verbottelt hat!
Na dann, bleibt stark und gesund! Der Burni.




Montag, 12. September 2011

Greifenstein-Bike-Marathon am 11.09.11

Bei bestem Spätsommerwetter, einem Unding für den GBM, ging es diesmal für mich auf der Mitteldistanz über 70 km in die Vollen. Man möge mich dafür schlagen, aber ich wollte nach einer halben Ewigkeit mal wieder nur die zwei Runden ballern, um zu schauen, wie’s um meine Spritzigkeit bestellt ist. Na ja, nicht mehr so wie früher, muss ich eingestehen.
Das Startfeld war bestens besetzt. Mit dem Waldmeister, dem Rumen Voigt, dem Dr. O, dem Udo Müller, einem uns unbekannten Tschechen in Ganzkörperkondom, der Metze, der E-Lok u. v. a. stand ich unter dem Startbogen aus Kunststoff. Für die Verbottlung zuständig zeichnete mal wieder, Ihr ahnt es, das Puhdys-Frontmanndouble, der Hans Renner alias Dieter Birr.
Kurz nach halb elf startete ich aufgrund des lauten Startschusses mit einem Tinnitus ins Rennen. Einer recht unkonventionellen Streckenführung über eher undefinierte Feldabschnitte folgte der erste Anstieg. Bereits dort formierte sich eine sechsköpfige Spitzengruppe, in der ich mitfahren konnte. In der ersten Abfahrt verbottelte ich gleich mal den Geyerischen Forest, was recht blöd war, da es meine einzige Trinkflasche zu diesem Zeitpunkt war. Das sollte sich später rächen. Zügig bolzten wir dann an der Schanze entlang hoch auf die Asphaltgerade, vorbei am Fliegenpilz und rein in die Schlammabfahrt. Waldi bog als Erster ab, dahinter der Rumen, der Tscheche, der Udo Müller, danach der Burni. Leider zog der Udo vor mir unabsichtlich etwas nach links rüber, so dass mir die Strecke ausging, ich auf einer Wurzel ausrutschte und frontal mit dem Nischel voran in einem Holzhaufen einschlug. Der Einschlag war sehr heftig, von 30 auf 0 km/h und von 1,75 auf 1,70 m in einer halben Sekunde. Und ich dachte so beim Sternezählen: „Cheise, zwei Wochen Flüssignahrung.“ Meine Startnummer 1234 hat’s schön zerbröselt und diente gleich zum Anzählen des angeknockten Burnis. Nach gut zwei Minuten entschied ich mich, nach einem Systemcheck, einer Unterhaltung mit einem sehr hilfsbereiten Biker sowie dem Teamkollegen Sascha Nagel und ein paar Körperverrenkungen so wie im Video unten weiterzufahren. Das Rad war lädiert, aber fahrbar. Ich wurde anfangs noch überholt, weil einfach mal eine halbe Runde gar nix ging, erst allmählich kam ich wieder auf Touren und lag so um Platz 20 bis 25 herum. In der Zwischenzeit wurde ich auch vom Flaschenklau junior (Immanuel Stark) überholt, der darauf sagte: „Ein Traum wird wahr.“ Da war ich erstmal völlig demotiviert. So was kannste ’nem mehr als doppelt so alten Mann nicht flüstern, wenn er gerade auf dem Zahnfleisch Richtung Gripstones hochbummelt … Da fährt mir schon der echte Flaschenklau nicht vor der Nase rum, dann tut es eben der Nächste der Sippe Stark. Ich hoffe, es gibt da nicht noch einen Dritten. Sei es drum, die Abfahrt von den Greifensteinen tat schön weh, aber ich kam heile unten an. Zusammen mit Sascha Nagel und Flaschenklau jun. fuhren wir zum Ana Mare der Verbottelungsstelle entgegen. War ja leer mein Behälter. Da sah ich ihn stehen, unseren Onkel Hans, die lebende Legende unter den sächsischen Verbottlern, der Geschmeidigste unter den Meniskusoperierten, der Hörbarste unter den Schluchtenjodlern. Er ließ sich nicht lumpen und übergab mir die dringend benötigte Flasche.
Bergab taten die Wurzel wieder ordentlich weh, doch konnten sich Immanuel und ich etwas absetzen. Auf den Drückerpassagen im Wald gesellte sich Teamkollege Sascha N. zu uns und spannte sich in bester Teammanier ohne Rücksicht auf sein Herz-Kreislauf-System vor uns. Danke!!! Er fuhr schönes Tempo, und den kleinen Flaschenklau nahmen wir auch gleich mit ans Hinterrad. Und auf einmal kam die große Verfolgergruppe um Robodoc ins Sichtfeld; da gaben wir noch etwas mehr Gas. Am leichten Anstieg im Wald waren wir wieder dran, und plötzlich lief es besser bei mir. Der Motor sprang wieder brauchbar an. Da die Gruppe recht langsam unterwegs war, pflügte ich gleich vorbei, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Natürlich hingen sich ein paar Leute hintenrein, doch waren wir jetzt schneller unterwegs als vorher. Zu sechst oder siebt zogen wir dann über die bekloppten Wurzeln Richtung Start/Ziel. Schon wieder Wurzeln, schon wieder aua. Oben stand er wieder, Hans im Stück, und verbottelte mich vorbildlich. Robodoc zog dort etwas am Riemen, so dass sich die Gruppe auflöste und nur drei Fahrer übrig blieben: zwei Steinis und ein Dönerverkäufer.
Behutsam ging es in die erste Abfahrt, auf der mir Hot Doc und der andere Steini entwischten; ich konnte einfach nicht schneller. Auf der Geraden zur Schanze drückte ich mich wieder ran, fuhr sachte um die „Schredderkurve“, in der zwei Krankenautos standen – in einem davon lag der Carsten Brödner mit zerbröseltem Schlüsselbein -, um dann zusammen mit Robodoc und dem anderen Steini nach dem Asphaltstück die Dönerverkäufergedächtnisabfahrt in Angriff zu nehmen. Diesmal blieb ich auf dem Bock. Nicht so E-Lok Danny Dittmann, der dort kurz vorher an der gleichen Stelle zu Boden ging, und den wir hier einholten. Oben kam nun der verstörte Polofahrer von der Vier-Hübel-Tour ins Blickfeld, spannte sich gleich vor unseren Robodoc, trat drauf wie ein Gigolo nach der Bandwurmkur und hängte dabei den zweiten Steini ab. Danny und ich blieben mit Mühe und Not dran. Erst auf dem Weg zu den Gripstones hoch ließ der Vortrieb von Herrn Meyer etwas nach. Auf der Abfahrt von den Greifensteinen musste ich Doc und die E-Lok leider wieder fahren lassen, weil der olle Nacken wehtat. Da kam auch der André Meyer schon wieder von hinten ran. Und nun der Knüller: Er bot mir doch tatsächlich eine Trinkflasche an, da ich meine zweite für heute wieder in der Abfahrt zurückließ. Denkt man nicht, ein sehr lieber Polofahrer, der André.
Robodoc war etwas enteilt, Danny und ich hatten ein paar Sekunden Rückstand, als es in die Steilauffahrt ging. Da traf ich the real Flaschenklau, der mich prompt anfeuerte. Gute Besserung Deinem Knie, Du alter Heizer! Den Doc holte ich kurz darauf fast ein, wenn er nicht auf einmal angegast hätte. Und schon wieder war er weg. Oben verbottelte mich der Puhdys-Austauschfrontmann Hans-Dieter Birr - diesmal mit zwei Flaschen.
Erst an der Straßenquerung hatte ich Doc wieder eingeholt. Fortan waren wir zu zweit unterwegs, da die E-Lok reißen lassen musste (2x entgleist). In den flachen Waldstücken wechselten wir uns gut ab und lagen auf den Plätzen 6 und 7. Die letzten 2,5 km fuhr ich dann komplett von vorn, holte den starken Tschechen ein (Plattfuß) und konnte als Fünfter mit schönen Krämpfen ins Ziel „sprinten“. Robodoc kam kurz dahinter in dasselbe. Waldi Heinke siegte auf der Felge fahrend vor Udo Müller und der Metze. Rumen wurde Vierter. Erst einen Tag später bemerkte ich, dass er nur 1 s vor mir ins Ziel huschte. Auch Platz 3 war nur 90 s entfernt. Schöne Cheise, da wäre nach der Aufholjagd sogar noch mehr drin gewesen.
Vom Ziel aus ging’s gleich ungeduscht und stinkend in den Krankenwagen zu den Sanitätern, die alsbald einen zweiten Krankenwagen anforderten. In der Zwischenzeit halfen mir die Heavy24-Veteranen um Kugelblitz Mario Heidrich, Jan Leuschner und Sascha Nagel beim Umräumen meiner Utensilien vom Audi in den Krankenwagen. Schon wieder danke!!! Schön verdreckt hievte ich mich dann in den zweiten Krankenwagen, der mich für günstige 10 EUR inkl. Halskrause ins Krankenhaus Annaberg chauffierte. Aufsichtsratsvorsitzender vom Erzgebirgsklinikum Annaberg ist übrigens Andreas Stark, der Erzeuger der Flaschenkläue. Von denen wurde ich heute irgendwie verfolgt. Dort wurde ich sogleich nach meiner Chip-Karte befragt und gelobt, diese auch tatsächlich bei mir zu haben. Zum Dank stellte man mich eine knappe Stunde in die Ecke, da an diesem Tag weitere Biker eingeliefert wurden. So kam an mir im Rollstuhl der Carsten Brödner mit bandagiertem Schlüsselbein und Infusion vorbeigerollert. „Guido, Du auch hier?“ Ja, ich lag dort blöd rum und durfte nix trinken. Mann, hatte ich Durst, doch es wurde mir untersagt, bis das Röntgen vorbei sei. Doch der tschechische Notarzt tastete mich ab, befragte mich zum Crash und wies die liebe Schwester an, mir ein Getränk zu reichen. Es war heißer Tee; bei 30°C genau das Richtige. Nach einer Weile wurde ich ins Röntgen zum Fotoshooting geschoben, wieder von der Röntgenschwester zurückgeschoben(!), weil es dank Frau Merkel keine Zivis mehr gibt, und nach einem Gespräch mit einem deutschen Facharzt für Chirurgie mit Schmerztabletten und Befund entlassen: Distorsion der Halswirbelsäule, Wirbel 3 und 4, ohne Frakturanzeichen. Puh, Schwein gehabt. Aber weh tut’s schon ordentlich.


Der liebe Carsten Brödner bzw. seine nette Freundin brachten mich dann im Polo – ja, schon wieder ein Polo – zurück zum Parkplatz am Ana Mare. Die Siegerehrung war gelaufen, dennoch durfte ich noch mal aufs Stockerl, etwas erzählen und mir meine wohlverdienten Preise abholen. Viel gab’s aber nicht mehr. Mein Auto war in der Zwischenzeit zum Wespenhorst mutiert. Da ich meinen Wasserkanister leider „verborgt“ hatte und mein Handtuch noch im Brödnerschen Polo lag, konnte ich mich weder duschen noch groß säubern. Ich stank gar jämmerlich. Lieber Audi, kommt nicht wieder vor.
Auf dem Heimweg konnte ich am Stauweiher meinen Kopf leider nicht nach den hübschen Damen links und rechts von mir verdrehen, die scharenweise vom Baden kamen. So eine Cheise. Mein Blick wird nun einige Tage nur nach vorn gerichtet sein. Schauen wir mal, ob Eibenstock mit mir stattfindet. In diesem Sinne: Hals- und Beinbruch!


Montag, 29. August 2011

15. Vier-Hübel-Tour am 28.08.2011

Heute früh hatte ich richtig Bock, stand auf, war glücklich, und die Sonne schien auch noch. Also auf zum Col de Fichtel, um über die vier (eigentlich fünf) Hübel zu drücken. Seit dem Heavy24 war’s der erste „Wettkampf“ für mich. Am Vortag konnte ich keinen Meter radeln, da es draußen schüttete und ich mal wieder keinen Bock hatte, mich einzusauen bei der Suppe. Also fand die Vorbelastung am Sonntagmorgen auf der B95 statt – mit dem Kfz natürlich. Ich wollte unbedingt 8.30 Uhr oben sein, weil Onkel Hans alias Dieter Birr gemeint hat, um halb neun werden die Flaschen aufgeteilt … Ich war saupünktlich. Dort stand er auch schon in voller Pracht, unser Onkel Hans, und staunte nicht schlecht. Ja, auch ein Burni kann pünktlich sein. Es war alles perfekt organisiert vom RSV Erzgebirge und dem Team Stein-Bikes. Auf jedem Hübel sollten mindestens zwei Betreuer mit Flaschen und Standluftpumpe stehen. Traumhaft. Man musste sich um das leibliche Wohl also keine Sorgen machen.
Es waren viele Heizer am Start, die ich neun Wochen lang nicht sehen konnte – auch André Meyer, der Polofahrer, mit hübscher Dame an seiner Seite. Doch er stänkerte schon am Morgen, ich solle doch keine Flaschen bekommen, weil ich das falsche Trikot angezogen habe. Ich verdrängte das zunächst, während ich in der endlosen Anmeldeschlange stand. Weil jedes Gramm zählt, besuchte ich noch mal die 1000 m hoch gelegene Latrine, doch auch hier war Schlangestehen angesagt. Und ein Duft wie im Märchen … trotz der dünnen Luft in dieser schwindelerregenden Höhe.
Auf der Abfahrt zum Marktplatz testete ich gleich mein frisch montiertes 44er Kettenblatt - mit dem 42er werde ich einfach nicht glücklich – und stellte fest, dass ich durchaus bei 70 km/h noch treten konnte. Ein Traum. Im Tal traf ich dann sogleich Herrn Lasseck und „Patte“ Müller, vertraute dem Rico ein Geheimnis an, wo man in O’thal ungestraft pinkeln kann, entledigte mich auch noch unnötigem Ballast, gab die Jacke bei Heike Renner ab, drängelte mich in der Startreihe ganz nach vorn, und auf ging’s zur Hübelhatz.
Die ersten Attacken gab’s schon in O’thal an der Schwebebahn hinauf Richtung Hotel. Danach ging es aber piano weiter, und nur ein unbekannter Tscheche verabschiedete sich recht bald nach vorne. André Meyer gab mir während der ruhigen Fahrt zu verstehen, ich sei dick geworden, bzw. fragte mich, ob ich zugenommen hätte. Ich negierte. Alles Kraft, Herr Meyer, pure Kraft.
Eine größere Gruppe setzte dem Tschechen eher schlecht als recht hinterher, da es noch recht früh war, die Katze aus dem Sack zu lassen. Zusammen erklommen wir recht gemütlich den Bearstone, donnerten ihn wieder runter, bogen links ab und wichen Lars Strehle, dem Straßenfahrer, aus, der in einer Kurve zu spät bremste und geradeaus in die Böschung fuhr. Die Abfahrt ging ich schön vorsichtig an, da ich zwei Monate nicht mehr auf dem Bike saß; aber verlernt hab’ ich’s gottlob nicht. Die Beine fühlten sich auch ganz gut an, nachdem die Woche über eigentlich mal wieder gar nix ging.
Vereint bretterten wir durch die Wiesen und Wälder und gasten den Plattenweg Richtung Col de Pöhl an. Vorher gab mir der olle Meyer wieder zu verstehen, der Güdö sei eine Maschine. Der hatte mich heute irgendwie gefressen oder irgendwas zu sich genommen. Ja, ich esse ab und zu Schokolade, weil’s schmeckt, aber bin ich wirklich fett geworden? Die Waage sagt was anderes. Manche Leute bringen sich um, wenn man denen das sagt, also Vorsicht, lieber Polofahrer, sonst verrate ich Dein Kfz-Kennzeichen.
Am Horizont ca. 2 min vor uns war der Tscheche zu sehen und schon recht weit enteilt. Lars Strehle, der Straßenfahrer, drückte immer wieder aufs Tempo, Robodoc, Ernst Schwarz, Lutz „Metze“ Metzner, Danni „Die E-Lok“ Dittmann und noch weitere blieben aber zusammen; ein alleiniges Wegfahren brachte sicher nix; in der Gruppe waren wir schneller, auch wenn manchmal sehr gebummelt wurde. Die Abfahrt vom Col de Pöhl verlief unspektakulär mit 80 Sachen, bevor es Richtung Col d’Oblate (Scheibenberg) ging; es zog sich etwas hin, doch das Tempo blieb noch moderat. Glücklicherweise war der verstörte André Meyer verschwunden … Eine Schrecksekunde gab’s bergab, als ich mit dem Vorderrad verkantete und beinahe vom Bock ging. Hot Doc behind me honorierte das mit einem fetten Jauchzer. Kurz vorher rammte ich um ein Haar einen weißen Fiat, der dort dermaßen blöd abparkte, dass einem das Gruseln überkam. Die Auffahrt in den Col d’Oblate verlief aber auch nicht ohne Tücken, als doch mitten in der Ideallinie eine Oma stand wie ein gefrorener Berggeist. Das war sauknapp, und ich hörte ihre dritten Zähne klappern vor Angst.
Bergauf wurde ich von Heike Renner, der Frau des Puhdys-Frontmanns Dieter Birr, verbottelt. Der Straßenfahrer zog schon wieder am Gashahn, doch keiner hatte Bock oder Kraft, ihm hinterherzupreschen. Sein hünenhaftes Antlitz von knapp drei Metern Größe schreckt wahnsinnig ab. Ich hatte immer den Eindruck, als führe er eine Etage über mir – wie im Doppelstockzug. Aber da oben ist die Luft stickiger. Den Tschechen übrigens fingen wir auf der anschließenden Abfahrt wieder ein. Jetzt wurden die Karten neu gemischt, zumal nun der nicht leichte Anstieg zum Overbowl (Oberbecken) auf dem Sollplan stand. Lars und Robodoc fuhren zügig in den Anstieg hinein, wobei wir Lars gewähren ließen, weil sich alle scheinbar auf Robodoc eingeschossen hatten. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Ich selbst blieb erstmal ruhig, fuhr neben Dr. O den Hügel hinauf, und hinter uns weitere Fahrer. Auf dem Flachstück hatte Lars schon einen beachtlichen Vorsprung herausgefahren, so dass wir ihn gar nicht mehr sahen. Es waren inzwischen um die 60 s laut Streckenposten. Ich war ganz schön bedient, blieb aber noch ruhig, so wie ich es in der Burni-Therapie gelernt hatte. Zügig umrundeten wir das Overbowl; ich krallte mir die letzten beiden Flaschen von Dieter Birr himself und ging in die Abfahrt zum Ephraimhaus. Vornweg Ernst Schwarz und die Metze.
Vom Markersbach-Rennen noch bestens bekannt, folgte nun der lange, bekloppte Schotter-Anstieg zum Altpöhlaer Flügel. Lars, der Straßenfahrer, war weit weg, und zwar 1:30 min. Robodoc hielt das Tempo unten, um den Lars vom Mars zum Sieg zu verhelfen. Hätte ich aber auch so gemacht. Da auf den letzten Kilometern vorher kaum jemand in die Führung wollte, ich aber nichts zu verschenken hatte, gab ich im letzten Drittel des Anstiegs Zwischengas, riss gleich ein Loch, fuhr zügig weiter, gab Robodoc ein Zeichen, doch wieder heranzufahren. Als er dran war, drückte ich noch mal drauf, um die Gruppe gänzlich zu sprengen und den Verfolgern den Zahn zu ziehen, was gelang. Der starke Dr. O kam auf dem Flachstück kurz vor dem Asphaltanstieg wieder ran und fuhr mit mir den Hügel hoch. Zu zweit geht’s auf den langen Flachstücken einfach besser, also war ich nicht mal böse drüber. Doch taktisch gesehen lief’s eher blöd für mich. Vorne der Lars, hinter mir der Robodoc, der einfach nur Windschatten fahren musste, um die Lücke zu Lars nicht selbst schließen zu müssen. Gleichzeitig würde ich ihn aber an Lars heranfahren, so dass er wieder Ambitionen hätte, zum 5. Mal die Tour zu gewinnen. Oben angekommen, war der Lars kaum zu sehen; wir folgten gut eine Minute dahinter.
Auf der langen Schneise des Altpöhlaer Flügels musste ich in Führung gehen, um evtl. doch noch eine kleine Chance zu haben, den Straßenfahrer einzuholen. Aber ehrlich gesagt, glaubte ich nicht wirklich dran. Weil’s so schön war mit Robodoc, fuhr er mir zur Abwechslung voll ins Hinterrad. Ich gab ihm vorher ein Zeichen, auch mal Führung zu leisten. In dem Moment, als er meiner Bitte Folge leisten wollte, wechselte ich die Spur, so dass sich Dr. O an meinem Hinterrad aufhing. Ich hörte es hinter mir nur schleifen, krachen, quietschen. Ich schaute mich um, doch Dr. O saß noch auf dem Bock, schaute sich die Schäden an, die es aber wohl glücklicherweise nicht gab. Ich wartete, so dass er wieder heranfahren konnte. Weiter hinten nutzte das Ernst Schwarz, der kurz vorm Abzweig in den letzten Downhill an der letzen Verpflegung auf einmal wieder dran war. Mir scheint allerdings, dass da ein Motorrad keine unwesentliche Rolle gespielt hat ... Man darf mich aber gern berichtigen.
Unten im Grund angekommen, fuhr unser Robodoc zügig in den Berg, so dass Ernst Schwarz reißen lassen musste. Wir beide blieben fortan zusammen wie ein altes Ehepaar und würdigten die Leistung von Lars, der immer noch außer Sichtweite lag, und beschlossen, nicht mehr zu attackieren, da Ernst hinter uns weg war und wir aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters unseren Organismus lieber schonen wollten. Auf der ansteigenden Rollskistrecke allerdings kam der Straßenfahrer wieder ins Blickfeld. Ging da womöglich noch was? Nein, nicht wirklich. Der Vorsprung betrug noch knapp eine Minute; Dr. O und ich fuhren nebeneinander da hoch. Richtung Sachsenbaude allerdings machte ich mir schon Gedanken, ob der Lars da nicht den Anker geworfen hatte, denn wir kamen schnell näher. Ich spannte mich vor Sebastian und fuhr zügig mit großem Blatt ins letzte Flachstück vor dem Steilanstieg der Wellenschaukel. Lars war aber noch zu weit weg. Doch als ich bergauf merkte, dass Robodoc etwas reißen lassen musste, war mein Siegeswille wieder geweckt. Hinter mir hörte ich es auf einmal in Richtung Lars brüllen, er solle doch Gas geben. Ich glaube sogar, Schimpfwörter flogen die Wellenschaukel hinauf. Sebastian schrie sich die Seele aus dem Leib, dass Lars doch endlich Gas geben solle, weil Burni von hinten kommt. Ca. 100 m vorm Ziel war ich so gut wie dran, als Lars vor mir auf einmal abstieg, ich aber keine Ahnung hatte, wieso. Ich schaute ihn bedröppelt an, fuhr vorbei und knapp 100 m später über die Ziellinie. Lars sagte mir, er sei die falsche Linie gefahren, die in einer Rinne endete. Er kam 4 s hinter mir ins Ziel, Dr. O neben ihm. War sauknapp, und ich hätte rückblickend betrachtet vorher am Anstieg nach dem Ephraimhaus nicht eine Sekunde später attackieren dürfen. Na ja, bin aber trotzdem mächtig überrascht, dass es so lief. Ich habe mich auch bei Dr. O und Lars und noch ein paar weiteren Menschen entschuldigt, hier aus Versehen der Erste gewesen zu sein. Scheinbar lag's an der langen "Erholungsphase". Nach neun Wochen Zwangspause mal wieder ein kleines Highlight. Tut dem Kopf gut, so was. Und nicht böse sein, Jungs, ich fahre doch auch für den RSV Erzgebirge.
Mir jedenfalls hat’s mächtig viel Spaß gemacht, meine Mitstreiter waren alle gut drauf, und die Verbottlung vom Team Stein-Bikes war das i-Tüpfelchen. Auf der Siegerehrung wurde ich zur Bergkönigin gekrönt, als man mir glatt das falsche Trikot überreichte. Die siegreiche Dame an meiner Seite, Laura Hoffmüller, die fast meine Tochter sein könnte, war zwangsläufig der Bergkönig. Ich griff mir sofort an die Milchdrüsen, puh, alles noch flach. Schwein gehabt. Wurde aber alles von einer aufmerksamen Dame bemerkt. Und ich heiße Guido, lieber Moderator. Das wird wie Gido gesprochen, nicht Güdeo, nicht Guidö, nicht Gudo, nicht Gaudi usw. Kurz vor der Heimfahrt kam dann schon wieder dieser Polofahrer und schimpfte rum, mir solle man keine Flaschen mehr geben. Sein Kennzeichen lautet: C- …
Noch zwei Rennen, dann geht’s zur Reha in den flachen Norden … In diesem Sinne Respekt und Robustheit! Der Burni.



Das Copyright der Pics liegt beim Erzgebirgsblog und Onkel Hans. Danke!

Dienstag, 21. Juni 2011

Heavy24 am 18. und 19.06.2011

Unser ausgeklügeltes Wechselsystem, was wir in der Vorwoche bei Teamchef Mario H. zu Hause beim Grillen auskasperten, als auch die Verantwortlichkeiten bei der Organisation des 24-Stunden-Rennens, fanden am Wochenende schon wieder Anwendung beim alljährlichen Rundenfressen am Lake Overravenstone: dem Heavy24.
Die Einsatzzeiten-Balkendiagramme unserer Fahrer sahen gefährlich nach Mathematik aus, doch eigentlich waren sie harmlos und stellten nur grafisch dar, wer zu welcher Zeit die Runden um den Stausee drehen sollte. Wichtig war nur, dass mindestens vier Fahrer gleichzeitig vor Ort waren. Meine „Schicht“ begann um Mitternacht zur Geisterstunde und sollte mittags nach zwölf Stunden beendet sein. Ich fuhr aufgrund meiner guten Nachtzeiten der letzten Jahre im Dunkeln. Das macht mir nix aus, denn ich habe den „Röntgenblick“. Des Weiteren hatten wir zwei Gastfahrer verpflichtet, die ich selbst noch gar nicht kannte bzw. beim Grillen kennenlernte. Es handelte sich um Jan Leuschner und Uwe Bleimeier, zwei Athleten wie aus dem Bilderbuch, Marathon-Läufer, MTB-Rennen usw. Beide waren für den Samstag von 12 bis 24 Uhr eingeteilt, dazu kamen Eichi und Sascha N., Siegbert und Rico W. sowie Mario H. und der Dönerverkäufer himself.
Nach meiner Ankunft um 22 Uhr verstaute ich mein Hab und Gut in aller Ruhe im Zelt und in Ricos fast funkelnagelneuem Fiat Ducato 2.5 D. Beim Verstauen meiner Laufräder im Transporter meinte Marco, unser Mechaniker, zu mir, ich solle auf den Hund aufpassen, der dort liegt. Welcher Hund? Und tatsächlich schauten mich von unten zwei kleine Kulleraugen betend an, ihn doch bitte zu verschonen und hier schlafen zu lassen. Ohne die Warnung wäre ich voll auf ihn draufgetreten. Es war übrigens Eddi, ein kleiner Mops und der Hund von Marco. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Marco und seinem Hund ließ sich nicht verleugnen, und auch die Gefräßigkeit schien der eine vom anderen übertragen bekommen zu haben. Mehr dazu später.
Mario, unser Teamkapitän, der außerordentlich pünktlich eine gute halbe Stunde vor seiner Schicht erschien, fing gleich an, Kuchen zu essen; der ausgeklügelte Ernährungsplan interessierte ihn nicht die Bohne. Er fing halt gleich mit Zucker an. Gut, dass Rico W. wieder für die Deponierung unserer Notdurft verantwortlich zeichnete und uns ein eigenes Dixiklo besorgt hatte. So hätte Mario im Falle eines Falles schon vor dem Rennen mal eben würschteln können. Super Sache, so ein Klo, und vor allem sauber und selten besetzt.
Was in den ersten zwölf Stunden geschah, kann ich aufgrund meines Nichtvorhandenseins nur erahnen. Nur soviel, wir hatten scheinbar ein, zwei kleinere Stürze und schoben uns nachmittags von Platz 4 auf 3 vor. Und irgendjemand wurde vom Team Stein-Bikes umrundet. Wenn ich den erwische, dann … Abgesehen von ein paar Schauern war das Wetter soweit okay. Mehr dazu im Bericht von Sascha N.
Nach dem Warmfahren auf der Rolle fing ich kurz vor Mitternacht mit einer mittleren 17er Runde im stockdusteren Wald an. Im Laufe der Nacht konnte ich etwas schneller werden, zu schnell für manche Nichteinheimische. Ich quetschte mich nämlich kurz vor der schnellen Linkskurve nach der Bergabpassage und dem Wurzelstück Richtung Bergaufschlammstück, das zäh wie Kaugummi war, an einem Bayern vorbei. In seinem Akzent gab er mir zu verstehen, dass ich total bescheuert und ein blödes Arschloch sei. Ich antwortete ihm höflich in meinem Akzent, er solle seine dumme Schnauze halten. Ein freundliches Miteinander im Rabensteiner Forest des Nachts um 2 Uhr.
Gegen 3 Uhr konnten wir dann bis auf 30 s an unsere direkten Konkurrenten vom Team Bikestore-Commerzbank heranfahren. Unserem würdigen Teamchef Mario oblag es dann, nach meinem Wechsel auf ihn in der Folgerunde das bis dato zweitplatzierte Team zu überholen, uns auf Rang 2 zu katapultieren und noch 30 s Vorsprung herauszufahren. Darauf war unser Dickerchen sehr stolz. Zu Recht. Er machte seinen Job gar nicht mal schlecht.
Ich selbst hatte soliden Druck auf der Kurbel, doch schien zu so früher Stunde jemand auf den langen Geraden noch mehr Power zu haben, als doch tatsächlich in einer gewissen Entfernung hinter mir ein Frontlicht immer näher kam. Der Typ war saustark. Ich gab noch mehr Gas und der Puls ging auf 185 auf der Geraden, der Mensch kam aber trotzdem näher. „Das kann doch nicht sein, was hat denn der gegessen?“, fragte ich mich immer wieder. Ich war noch recht frisch und stand gut im Futter, doch der schien ordentlich drauf zu haben. Ich gaste mit dickem Gang wie ein Wahni an anderen Bikern vorbei, doch ich wurde den Außerirdischen einfach nicht los. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Es handelte sich letztlich um das Streckenmotorrad, weil ich auf einmal Motorgeräusche hinter mir hörte. Toll, schön in die Fresse gehauen nachts um halb Vier, aber eine topp Rundenzeit im Dunkeln in den Schotter gemeißelt. Danke, liebes Motorrad!
Meine drei Teamkollegen und ich konnten in den folgenden drei Stunden konstante Rundenzeiten ohne Pleiten, Pech und Pannen in den Wald zaubern. Unser Vorsprung wuchs auf ca. 3 min an.
Um 6 Uhr begann für die kommenden drei Stunden die 2. Schicht für Eichi und Sascha N., die einigermaßen erholt auch wieder 17er Zeiten fahren konnten. Für Rico W. und Siegbert standen nun drei Stunden Pause auf dem Plan bis um 9 Uhr. Chef Mario und ich durften ja durchfahren bis zum Ende.
In der Zwischenzeit wurde Mops Eddi aktiv und auch sehr hungrig. Während Herrchen Marco im Campingstuhl schlummerte, klaute uns der Mops doch tatsächlich eine große Colaflasche und versuchte sie, am Verschluss aufzubeißen, was misslang. Dennoch hinterließ er deutliche Spuren. Übrigens trank JD, also Jens Dessau, unser Einzelfahrer, nach Rennschluss genau aus dieser angeknabberten Colaflasche. Ich warnte ihn vorher, doch ihm war alles völlig egal, auch der Speichel eines verfressenen Mops’. Anschließend versuchte Eddi, den gedeckten Tisch zu erklimmen, weil er meinen Reis mit Hühnchen roch (diesmal übrigens nicht verschüttet). Er schaute mich bettelnd an, doch ich gab ihm nichts. Alles dem Onkel Guido seins. Er stieg herab vom Tisch und fing an, Siegberts Radschuhe zu essen. Die schienen ein wenig nach Wurst zu riechen. Doch die aufmerksame Isa merkte dies alsbald und entriss sie ihm kurz vorm Verdauungsprozess. Mensch, Marco, was hast du bloß mit deinem Hund angestellt? Dermaßen verfressen, der Kleine, und den Unterschied zwischen Sidi und Chappi scheint er auch nicht zu kennen.
Gegen 8 Uhr stießen wieder der ausgeschlafene Jan L. und etwas später Uwe B. zu uns. Wir waren das erste Mal komplett in Bataillonsstärke angetreten, mussten aber mit Entsetzen feststellen, dass das Team Bikestore-Commerzbank pro Runde 30 s aufholte und nur noch 3 min hinter uns lag - ein Hühnerfurz bei bis dato 21 Stunden Renndauer. Wir mussten schnellstens handeln. Während ich meine Runde drehte, delegierte Siegbert unseren Käpt’n Mario und alle Fahrer, die zu diesem Zeitpunkt aus Alters- und Gewichtsgründen keine 17er Zeiten mehr fahren konnten, ab. Da hatte ich ja noch mal Schwein, dass ich gerade recht zügig unterwegs war und die 16er Rundenzeit sehr knapp verfehlte. Dennoch musste ich mir Schelte anhören, nicht unter 17 min gefahren zu sein. Sorry, Jungs. Die aus dem Kader gestrichenen Fahrer wurden übrigens nicht in den Gulag geschickt, wirklich nicht. Ex-Teamchef Mario war über diese drastische Maßnahme nicht unglücklich und konnte ab sofort stressfrei und nach Belieben Nahrung zu sich nehmen und uns mit Scherzen und Stories aus besseren Zeiten bei Laune halten.
Um 9 Uhr gingen wieder Uwe B., Jan L. und unser Siegbert erholt auf die Strecke und glänzten mit niedrigen und mittleren 17er Rundenzeiten. Weitere im Einsatz befindliche Fahrer zu diesem Zeitpunkt waren noch Graf Unheilig (Eichi), Rico W. und der Burni. Alle kamen wir ohne Pannen durch und konnten unseren Abstand zum Team Bikestore-Commerzbank auf durchschnittlich 5 min ausbauen und einigermaßen konstant halten. Eine Panne hätten wir uns aber nicht leisten können.
In den letzten beiden Stunden gab es ein paar stärkere Regenschauer, und ich durfte ausgerechnet während dieser Zeit fahren. Aber es ging trotz Rutschgefahr sehr gut. Eine Schrecksekunde gab es noch, als ich mich am Stausee kurz nach der Wurzelpassage an Lutz Hofmann (LuHo) vom Vierer des Teams Stein-Bike vorbeiquetschte. Ich kündigte an, links zu kommen, doch er konnte mich leider nicht verstehen. Vermutlich hielt er Ausschau nach FKK-Besuchern direkt links vom Zaun. Ich sah übrigens keine. Knapp war’s jedenfalls, aber es ging gut, und wir diskutierten das im Ziel freundschaftlich aus. Wäre er aus Bayern gewesen, wären sicherlich die Fäuste geflogen … Meistens ging es aber auf der Strecke außerordentlich kameradschaftlich zu.
Inzwischen war unser Zelt von Blondinen überfüllt. Es waren die Spielerfrauen, sorry, Bikerfreundinnen fast jedes Fahrers angetreten; ich kam kaum noch zu meiner Nahrungskiste durch. Glücklicherweise hatte Eddi, der hungrige Mops, diesen noch nicht entdeckt. Da es immer enger wurde, war ich ganz froh, nochmals raus in die raue Wildnis zu müssen, um die letzte Runde in den Schotter zu pressen. Natürlich regnete es vorher wieder. Um nicht Herzkammerflimmern oder Panikattacken zu bekommen, wenn mein Reifen kaputt geht oder mein Pedal in der letzten Runde abfällt, gab ich noch mal Gas, um ggf. Zeit für eine Reifenreparatur, einen kurzen Fußmarsch ins Ziel oder einen Quickie von max. 6 min zu haben. Es lief alles glatt bis auf die Zieleinfahrt. Ich klatschte meine Teamkollegen ab, doch achtete nicht auf den Stau, der sich vor mir gebildet hatte. Um ein Haar hätte ich die erste Panne in den 24 Stunden gehabt … Nun ja, am Ende Platz 2 für uns und Platz 6(!) für JD bei den Einzelstartern. Wahnsinn, der Typ. Je oller, umso doller. Über 450 km am Stück auf dem MTB sind der Oberhammer. Und am nächsten Tag wieder 10 Stunden im Laden stehen. Wir Weicheier vom Achter können uns da eine Scheibe abschneiden - oder etwas Sitzfleisch. Toll gemacht, JD!
Die Siegerehrung ging schnell über die Bühne, auch wenn die Preise für ein um die Ohren gehauenes Wochenende bestenfalls symbolischen Charakter hatten. Dass man als Teilnehmer dann auch noch 5 EUR Parkgebühr löhnen muss, macht das Ganze nicht attraktiver, im Gegenteil. Vielleicht gibt es nächstes Jahr dort ein paar Fortschritte …
Sicherlich spreche ich im Namen des gesamten Teams unseren drei Dauerversorgern Tilo, Isa und Marco ein ganz großes Dankeschön aus. Die drei sind rotiert ohne Ende und hatten immer ein Lächeln im Gesicht und Marco eine Brille. Genial und besten Dank!!!
Dieses Jahr machte es mir deutlich mehr Spaß als 2010. Das lag nicht nur an meinen nicht vorhandenen Blessuren vom nicht gefahrenen Kriterium in Burgstädt, bei dem ich nicht gestürzt bin und mir nicht auf den Schädel gehauen wurde, sondern auch an den Jungs vom Team, unserer Taktik und an Eddi, dem hungrigen Mops.
Ach ja, ein paar Bilder, geschossen von Isa, gibt's hier. Ein von Siegbert gedrehtes Video hier, die Ergebnisse hier und die Rundenzeiten hier.
Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder. Bis dahin, Spocht frei!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Erzgebirgsradrennen Markersbach am 29.05.2011

Das 13. Erzgebirgsradrennen in Markersbach sollte mal wieder unter keinem so guten Stern stehen für den Dönerverkäufer. Ich war zwar diesmal schön pünktlich und die Sonne lachte mir ins Gesicht, doch ich hatte schon so eine Vorahnung …
Das Fahrerfeld war topp besetzt. Strategen wie der Waldmeister, der Flaschenklau, Patrick „Patte“ Müller, Wauschi, Rumen Voigt, Dr. O, Torsten „Mütze“ Mützlitz und nicht zuletzt Tomas Trunschka standen da eng aneinander gereiht. Nur zwei Leute standen noch vor uns: eine blau-gelbe Frau mit selbstdunkelnder Fernsichtbrille und ein gelb-blauer Mann mit langen Haaren und einer Kamera auf dem Nischel. Beim neutralisierten Start zog dieser nicht nur das Fahrerfeld hinter sich her, sondern auch eine fürchterlich nach Körperschweiß riechende Fahne. Einfach nur pfui. Gott sei Dank bog er nach 500 m rechts ab und gab somit den Start frei.
Schon am 1. Berg machte Teamkollege Siegbert ernst, zog weg und keiner hinterher. Am 2. Anstieg wurde das Tempo dann erhöht, und ich setzte mich an der 3. Stelle hinter Siegbert fest. Alle Favoriten waren vorne eingereiht, als wir am Oberbecken ankamen. In die 1. Abfahrt hinein blieb ich hinter Patte und Sascha, dessen Hinterrad ordentlich Steine hochwirbelte, die wie Meteoriten in meine Stirn einschlugen. Trotzdem ließen wir es vorsichtig angehen - zu vorsichtig für Tomas Trunschka, der von hinten vorbeigeschossen kam. Waldmeister Sascha ging sein Tempo mit, ich auch. Unten verbremste sich Sascha ein wenig, so dass ich innen direkt an Trunschkas Hinterrad fahren konnte und so eine gute Ausgangsposition für den langen Anstieg fand. Wenig später hatten sich die Favoriten in einer größeren Gruppe zusammengefunden. Am Fuße des Anstiegs ging ich nach vorne und fuhr mein Tempo hoch, bis Danny „Lokomotive“ Dittmann übernahm. Wir knallten zu neunt ganz ordentlich da hoch, und ein Blick auf meine Pulsuhr ließ mich ganz schnell wieder wegschauen. An dem Anstieg koppelten wir wohl auch Rumen Voigt ab, der nicht mehr zu sehen war. Vorbei an der Verpflegungsstation fuhren wir immer noch sehr zügig die Asphaltrampen hoch, um geschlossen am Altpöhlaer Flügel anzukommen. Patte machte vorne ordentlich Druck, ich direkt dahinter übernahm wenig später. Torsten „Mütze“ Mützlitz meinte beiläufig, Patte sei wohl in den Zaubertrank gefallen. Recht hatte er. Gut trainiert, der Patrick, und ganz schön Druck auf der Kette.
Oben ging es dann zu wie beim Kriterium: Windschatten, Attacke, Windschatten, Attacke, aber meistens volle Kanne. Besonders tat sich hier Patte hervor, der immer wieder forcierte. An der kleinen Rampe mitten im Altpöhlaer Flügel machte er dann direkt vor Wauschi liegend Ernst und gab Gas; nur der Waldmeister ging wenig später mit. Dann rappelte sich auch noch Thomas Trunschka zusammen, den wir am langen Anstieg schon beinahe abgehängt hatten, stach den beiden wie bekloppt hinterher und erreichte sie auch. Respekt. Vorne drei, hinten sechs, einer zuviel, dachte sich der Flaschenklau und attackierte aus unserer Gruppe heraus. Ich grübelte danach ein paar Minuten lang, wieso ich hier eigentlich nicht mitgegangen bin, aber vermutlich wäre ich blau angelaufen. Jedenfalls nahm man vorne aus taktischen Gründen ein wenig Tempo raus, so dass der Flaschenklau rankommen konnte.
Wir fuhren nun zu fünft ca. 100 bis 200 m hinter der Spitze: Wauschi, Mütze, Lokomotive, Burni und ein weiterer Tscheche. Lokomotive machte ordentlich Druck, doch vermochten wir nicht, vorne ranzufahren. Schöne Cheise. Die anstehende Bergwertung am Col de Fichtel holte sich Patte vorm Waldmeister; wir kamen 30 s später an.
In der folgenden Abfahrt die Himmelsleiter hinab ließ ich es schön rollen, um unten gleich weiter Dampf zu machen, denn so weit weg waren die da vorne noch nicht, doch mit der Übersetzung von 42 zu 11 war ich mal wieder am Limiter. Mütze beschwerte sich bei mir, dass er auf dem Col de Fichtel keine Bleiweste anziehen konnte, denn wir verloren ihn ein wenig in der Abfahrt; er ist gar nicht mal so schwer und hat bergab richtig zu kämpfen. Wieder spannte sich Lokomotive vor den Trupp und bolzte dicke Gänge. Wir fuhren relativ zügig die nächsten Asphaltanstiege und Schotterabfahrten zusammen hoch und runter, mussten aber unseren Rücken im Auge behalten, da einige 100 m hinter uns noch der Robodoc und zwei andere Bolzer lagen. Nachdem wir den vorletzten Anstieg erklommen hatten, wippte mein Hinterrad merkwürdig nach oben und unten. Mmh, kein Zischen, kein Milchverlust, nix. Wenig später in der Rechtskurve nach der Abfahrt fuhr ich auch schon auf der Felge und musste wenig später vom Plastebock, ohne wie gesagt irgendein Milchleck zu erkennen. Ich drehte das Hinterrad ein paar mal rum und befüllte es mit der CO2-Kartusche. Jetzt hielt komischerweise die Luft. Nun weiß ich auch, woher der Begriff „Schwarzes Loch“ stammt. In dieser Phase knallte leider Robodoc mit seinen beiden Freunden an mir vorbei.
Zum Ziel waren es noch knapp drei Kilometer. So ein Mist aber auch. In dieser kurzen Zeit konnte ich nicht mehr viel ausrichten, auch wenn einer von den dreien wieder in meine Sichtweite rückte. So konnte ich relativ entspannt den Zielanstieg nehmen, aber leider nur 12. werden anstatt vielleicht 5. oder 6., wenn ich mit den Beinen von heute und dem leichten Rad im Bergsprint hätte mitmischen können. Nach drei Platten in zwei Rennen sollte nun aber mal gut sein, Mensch.
Patte gewann übrigens vor dem Waldmeister und dem Flaschenklau …
Essen, Heimfahrt, Tschüss!
PS: Die Bilder stammen von Rico L. und Siegberts Freundin Isabell. Danke!

Montag, 23. Mai 2011

Inselsberg-Bike-Marathon am 22.05.2011

Heute war ich ausnahmsweise einigermaßen pünktlich dran und bin mal gemütlich gefahren. Eine völlig neue Erfahrung, das Kfz auch mal mit 8 bis 9 Litern zu bewegen. Gut so. Pünktlich in Tabarz vor Ort traf ich auch gleich den Flaschenklau samt Bruder und den Wauschi samt Ische. Auch unser Robodoc und André Meyer, der Polofahrer, waren vorhanden. Alles Sachsen mitten im Thüringer Forest, und alle schneller da als ich, verflixt.
Nach kurzem Warmfahren reihte ich mich am Start ganz vorne in den Pulk ein und zog anschließend hinter dem Quad die ersten Höhenmeter hinauf. Kilian Heine und Sebastian Stark drückten gleich auf die Tube und setzten sich vom Feld ab. Die älteren Semester inkl. mir hielten sich dezent zurück. So bildete sich eine erste Verfolgergruppe mit eher jüngeren Heizern und dahinter eine zweite mit Wauschi, Matej Meyer, einem weiteren Radler und dem Dönerverkäufer. Das Tempo war okay, dennoch zogen die Leute vor uns langsam auf und davon. Nach kurzem Schotterweggeplänkel führte ich die Gruppe in den ersten technischen Downhill hinein und konnte das Loch zu Verfolgergruppe fast wieder zufahren, auch wenn mich Wauschi bat, vorsichtiger zu fahren. Das tat ich übrigens auch, und Recht hatte er. Die Abfahrten waren genial, aber durchaus gefährlich. Trotzdem konnte ich mich anschließend etwas von Wauschi und den anderen Fahrern absetzen, einzig Matej Meyer ging das Tempo mit und forcierte sogar den Folgeanstieg noch ein wenig. Zu zweit kamen wir an die erste Verfolgergruppe ran, vorne sahen wir wieder den Flaschenklau und Kilian Heine hinter dem Quad. Matej drückte immer wieder auf die Tube, auch bergab, und sprengte die erste Verfolgergruppe. Drei Mann blieben übrig. Ich nahm mir vor, an Matej dranzubleiben, da er wirklich gutes Tempo bolzte und wir zu zweit bessere Chancen hatten, Sebastian Stark da vorne wieder einzuholen.
Zur langen Auffahrt auf den Inselsberg hängten wir zwei unserer Konkurrenten endgültig ab und fuhren zu zweit den brutalen Anstieg hoch. Mit 28-36 war ich dort mehrmals am Limit. Grauenvoller Anstieg, der Inselsberg, der auf seinem Plateau ein wenig dem Mont Ventoux ähnelte, halt nur winzige 1000 m flacher. Oben angekommen, ging’s bergab in den steinigen Downhill. Und auf einmal macht’s zisch am Hinterrad. Leider dichtete die Milch das recht große Loch nicht ab, so dass ein Schlauchwechsel von Nöten war, und zwar ausgerechnet in der Abfahrt, wo man richtig Zeit liegen lässt. Schöner Mist. Matej und ich hatten schon einen schönen Vorsprung auf unsere Verfolger rausgeholt, der sogleich verpuffte. Nach schier endlosen Minuten pumpte ich den Reifen mit der CO2-Kartusche voll, was diesmal erstaunlich gut funktionierte, und gab Stoff, was der Plastefuchs und der alte Mann hergaben. Dummerweise war das Ventil dieses Schlauches defekt und ließ Luft, so dass ich quasi die komplette 2. Runde einen Schleicher hatte. Schöne Cheise.
Kurz nach Rundendurchfahrt und einer kleinen Konversation mit Katja, der Freundin von Hot Doc, holte ich den ersten Fahrer im 2. Anstieg ein, danach den zweiten, dann im 3. Anstieg den dritten und auf dem Flachstück kurz vor dem Downhill vor dem Inselsberg Jens Scholze mit seinem 29er Cannondale. Er roch übrigens nicht nach Knoblauch. Zu zweit fuhren wir gemeinsam in den Anstieg zum Inselsberg hinein. Erst hier konnte ich Jens etwas davonfahren und sah alsbald den nächsten Fahrer vor mir. Schon wieder ein Cannondale. Hier gab’s bestimmt irgendwo ein Nest. Leider fehlte mir in dieser Rennphase die Kraft, um das Loch zu schließen. Ich hatte einige Körner gelassen, und die ersten Krämpfe kündigten sich auch an. Wieder war es brutal da hoch. Ich glaube, mit Laufen wäre ich schneller gewesen. Auf der letzten Abfahrt ließ ich es jetzt aus Sicherheitsgründen nicht mehr so krachen, da ich hinten fast Platten und ca. 30 s Vorsprung auf Jens hatte und wusste, dass er hier kaum überholen konnte. Letztendlich kam ich mit 0,9 bar im Reifen im Ziel an. Schade, das Podest war möglich, aber Pech gehabt.
Der Flaschenklau gewann souverän mit 4 min Vorsprung vor Matej Meyer und 8 min vor Robodoc. Es war eine sehr selektive und sehr schöne Runde, die Abfahrten glichen teilweise denen der Mad East Challenge, die Uphills waren wirklich schwer und ähnlich wie bei tschechischen Rennen. Eine tolle Landschaft macht Lust auf weitere Rennen am Rennsteig. Aber das Wichtigste: Heute hat es mir Spaß gemacht, weil der Kopf frei war. Hoffentlich bleibt das so, und zwar ohne nervigen Trainingsplan.
Im Gewitterregen bin ich wieder gemütlich nach Hause gerollert (< 3000 U/min). André Meyer kann das bestätigen, da wir uns mitten auf der A4 trafen und er schön in meinem Windschatten lutschte, die Sau. Und dann wieder diese Mercedesfahrer. Lieber E-Klasse-Coupé-Fahrer. Dein Bruder letzte Woche hat dir’s bestimmt nicht gesagt, aber bei 150 Sachen und mehr fährt man nicht so dicht auf, dass ich dein Nummernschild in meinem Rückspiegel nicht mehr erkennen kann. Und wenn du mich von der Autobahn schieben willst, solltest du auch über die entsprechende Leistung verfügen, du Knallfrosch.
So, das war’s. Bis Markersbach, hoffe ich. Der Burni.

Dienstag, 17. Mai 2011

Wehlaberg-Bike-Marathon am 15.05.2011

Heute stand die Entscheidung an, ob’s nach Litzendorf bei Bamberg oder nach Köthen zwischen Berlin und Cottbus geht. Die Höhe des Startgelds von 40 vs. 20 EUR bei gleichlanger Anreise gab den Ausschlag, nach Köthen zu fahren. Mal wieder allein. Letztes Jahr war ich zusammen mit Wauschi auch schon dort, und so schlecht war es nicht bis auf die doofen Mücken. Außerdem gab’s damals auch bei den Masters Preisgeld.
Ich war frühs nach einer eher miesen Nacht wieder sehr spät dran und wollte 9 Uhr eigentlich oben sein, doch ich war erst 7.35 Uhr auf der A4, um in 85 min 220 km zu fahren. Na ja, trotz bekloppter Baustellen war ich letztendlich 9.04 Uhr im Kiefernwald von Köthen angekommen.
Anmeldung und biologische Erleichterung funktionierten tadellos. Nach kurzer Einweisung ging die Hatz über 57 km los. Es standen viele Crossspezialisten aus und um Berlin am Start, auch aus Sachsen-Anhalt waren Fahrer u. a. vom Team White Rock oder aus Niedersachsen vom Team Focus Bad Salzdetfurth Racing versammelt. Und einige davon fuhren 29er Bikes. Das sieht vielleicht komisch aus, wie ein Polo mit 22-Zoll-Felgen. Gar nicht mein Ding, aber das scheint die Zukunft zu sein.
Zu Beginn ging’s recht gemütlich los, so dass eine relativ große Gruppe bis zum Scharfrichter, der Endmoräne des Wehlabergs (Aussage Wauschi letztes Jahr), zusammenblieb. Erst dort hinauf wurde das Feld gesprengt. Leider war der Berg dieses Jahr nicht komplett fahrbar, weil man in dem Sand einfach keinen Grip hatte. Also teilweise runter vom Hobel und schieben. Nach der rasanten Abfahrt bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe, in der ich auch vertreten war. Doch dann verfuhr ich mich in Führung liegend, wurde aber von den anderen Fahrern zurückgepfiffen. Sehr fair. Dennoch musste ich die Lücke zu den fünfen erst mal wieder zudrücken, was gar nicht so einfach war auf den leicht ansteigenden Geraden. Ich fand den Anschluss aber glücklicherweise wieder. Wir verfuhren uns insgesamt, glaube ich, dreimal, da die Strecke nicht immer optimal ausgewiesen war. Einmal kreuzten wir sogar eine befahrene Straße. Das war wie Russisches Roulette: drücken oder Krücken.
So ging’s für meine Begriffe immer noch relativ gemütlich in die zweite Runde. Auch hier blieb das Tempo zunächst human, nur White-Rock-Fahrer Christian Hopp drehte an den Anstiegen immer mal wieder am Gashahn. Trotzdem blieb die Gruppe zusammen, wobei sich aber nicht alle Fahrer an der Führung beteiligten. In einem leichten, aber langgezogenen Anstieg trat dann Fahrer Hopp richtig drauf. Keiner konnte ihm folgen – zunächst. Hinter mir meinte jemand: „So, nun ist er weg und macht Ernst.“ Nun ja, ich gab dann auch Gas und ließ Herrn Hopp nicht allzu weit enteilen. Er fuhr ca. 2 km lang zwischen 50 und 100 m vor mir her. Ich schnappte ihn mir dann aber doch noch in den Drückerpassagen kurz vor dem Wehlaberg. Zu zweit bolzten wir die Scheißmoräne rauf, so gut es ging, und vergrößerten unseren Abstand zu den Verfolgern. Die letzten Kilometer wechselten wir uns gut ab, wobei das Tempo immer noch nicht so extrem hoch war. So kam es zum Sprint um den Gesamtsieg, den ich leider um 2 s verpasste. Mit knapp 36 Lenzen geht mir so langsam meine Spritzigkeit verloren. Cheise. Na ja, aber ich konnte die Masterswertung gewinnen und auf der sensationellen Siegerehrung ein paar Euros entgegennehmen, die aber in keinem Verhältnis zum Spritverbrauch standen. Aber man fährt ja aus Freude am Spocht. Die Spaghettis und der Tee, die es anschließend gab, haben gemundet, und die Duschen waren auch warm. Fein so.
Auf der Rücktour nach C ließ ich’s dann rollen. Dennoch gibt es Fahrer, die meinen, Rambo spielen zu müssen. Bei hohem Tempo extrem dicht aufzufahren, k… mich an, dann aber mit einem dicken, schweineteuren Mercedes nicht vorbeizukommen, ist peinlich.
Nun denn, ich hoffe, die Form geht trotz abgespecktem Training weiter nach oben. Der Spaß zählt! Man sieht sich.