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Mittwoch, 31. Mai 2017

19. Erzgebirgsradrennen in Markersbach am 28.05.17

Für viele ist es das Nonplusultra, das Saisonhighlight schlechthin, der Peak des ganzen Jahres: das DFB-Pokalfinale. Und am Folgetag findet das Erzgebirgsradrennen in Markersbach statt, schon zum neunzehnten Mal.

Die Sonne brennt, die Klimatronik der Ingolstädter „Gehhilfe“ läuft auf vollen Touren – es ist Sommer mitten im Frühling. Und ich bin nicht nur wegen der Temperaturen eigentlich völlig im Arsch, denn in den letzten paar Wochen ging es drunter und drüber privat. Aber Markersbach muss sein, besonders für Fahrtechnikantitalente und Drückerheinis wie mich. Angemeldet bin ich fix, jedoch hätte ich nicht geglaubt, dass man noch weiter unten parken kann als letztes Jahr, aber es geht! Egal, da habe ich meine Ruhe und kann in Ruhe schaffen. Bin eh knapp dran, was ja nix Neues ist in meiner Vita.

Fünf Minuten vor 11 Uhr rolle ich nach dem „Warmfahren“, was schon das eine oder andere Defizit offenbart, in die Startaufstellung und begrüße meinen Ziehsohn Christian Schröder und meinen Ziehvater Lars Strehle. Letzterer war mit drei Jahren schon geschlechtsreif, also bitte nicht wundern. Und Laura Hoffmüller steht auch neben mir ganz vorne im schicken blauen Zweiteiler. Ihr Huf ist wieder intakt durch Wunderheilung, ihr Magen rumort aber noch.

Auf los geht’s los. Den ersten Anstieg zum Oberbecken noch human, nach der Abfahrt zum Ephraimhaus dann im Renntempo. Maschine Robert Walther setzt sich gleich mal ab am langen Gegenanstieg, gefolgt von den Kameraden Julius Wagler und Patrick „Patte“ Oettel. Dahinter der Drei-Mann-TBR-Zug aus Ziehsohn bzw. Enkel CS, aus Sohn bzw. Ziehvater GA und aus Opa bzw. Odin Allvater LS. Patte lässt vorne reißen, später Kamerad Julius auch. Wir sammeln sie nacheinander ein. Während sich Julius aber verbissen nach vorne Richtung Maschine orientiert, muss sich Patte gänzlich nach hinten verdrücken, auch wenn ihm der Abschied schwer fällt. Wir fahren jetzt mehr oder weniger zu viert Onkel Robert in Respektabstand hinterher. Julius tritt eingangs der Rampen immer mächtig drauf, um oben etwas langsamer zu werden. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen, fahre meinen Stiefel und uns zwei-, drei-, vier-, fünfmal wieder an Julius Caesar heran, ohne alle Würfel fallen zu lassen; die Legionäre Christian und Lars immer schön im Schlepptau, versteht sich. Die Familie hält zusammen. Das geht so bis zur Auffahrt zum Col de Fichtel, wo völlig unerwartet mein rechtes Oberschenkelchen verkrampft. Nanu, schon nach 30 km? Was'n da los? Mein Huf ist 'ne dumme Sau. Mit anderthalb Beinen habe ich kaum eine Chance, das Hinterrad meines Ziehsohns zu halten, komme aber in der schnellen Abfahrt wieder heran, weil Masse und 4-zu-1-Übersetzungen gut rollen. An den Asphaltgegenanstiegen im Wald kann ich blöderweise nur noch reagieren, wenn CS oder der Drei-Meter-Mann reinlatschen, aber das Angasen geht nicht mehr. Dumme Sache. Im letzten Flachstück zum Ziel funktioniert dann nüscht mehr, ich muss den rechten Huf aus dem Pedal nehmen und stretchen. Autsch. Na ja, dass ich dann am finalen Anstieg schlechte Karten habe, versteht sich von selbst. Völlig unverfroren zieht mein Ziehsohn an mir vorbei. Gut Kind will Keile haben. Und Stubenarrest gibt's obendrauf, zumal sich CS noch seiner Flasche entledigt, um Gewicht zu sparen! Sein drei Meter großer Opa folgt gleich darauf. Das gibt 'ne Rationierung der Beta-Blocker! Für mich reicht es dieses Mal nur zu Platz fünf. Maschine Robert siegt vor Kamerad Julius, der uns zwischenzeitlich am Col de Fichtel etwas enteilte, und CS. Greis Lars wird – wie immer in Markersbach – Vierter. Bei den Damen haut Laura einen raus und siegt trotz Würfelhusten und Flitzekacke.

Weil nach dem Rennen vor dem Rennen ist, versuche ich, mir in Begleitung meiner TBR-Familie den Knoten aus dem Schoberenkel zu fahren, was bis heute noch nicht wirklich funktioniert hat. Man(n) wird halt nicht jünger. Die Siegerehrung muss ich ausnahmsweise aus Zeitgründen sausen lassen, aber mein Ziehsohn hat sich ja für mich hingestellt und geopfert, dünkt mich, und die knapp 25 Jahre Altersunterschied sieht man eh nicht – oder kaum.

Ab Juni sollte nun wirklich wieder etwas Normalität bei mir einkehren, ich mehr Schlaf und etwas mehr Zeit fürs Training finden. Dann zeige ich dem Ziehsohn und Opa Lars, wo Affe Bimbo Wasser lässt.

Bis die Tage.

Ergebnisse: hier.

(c) by Yan Doss

Mittwoch, 17. Mai 2017

2. Miriquidi Bike Challenge am 14.05.17

Die Nacht ist außerordentlich kurz. Pubertierende Knaben machen vor meinem Fenster Remmidemmi, Katzendame Coco schläft wie immer unter mir im Bettkasten, schnarcht diesmal jedoch sehr laut. Selbst Ohropax vermag da nicht Abhilfe zu schaffen. Kater Cooper kommt routinemäßig gegen fünf Uhr schmusen. Ich liebe meine Katzen. Um 6.30 Uhr entweiche ich schlaftrunken der Koje, mache Müsli usw. In meinem Rücken verirrt sich Cooper natürlich aus Versehen auf den Tisch und schlabbert die Milch aus meinem Müsli. Wer denkt, ich schmeiße mein Müsli nun weg, der irrt. Ist nicht ein Kater, sondern ist mein Kater, und wir teilen uns sogar ab und zu das Bett. Na ja, nicht ganz. Ich ein Drittel, er zwei Drittel. Da kann man ruhig auch angeschlabbertes Müsli vertilgen.

Der Start im Gelobtland nahe Marienberg erfolgt bei schönstem Maiwetter. Trocken. Mild. Sonne. Die Anzahl der Starter auf der langen 90-km-Runde ist überschaubar. Mit dabei mein Teamkollege, der einzig wahre, unbreakable FK. Ziehsohn CS büffelt für die Schule und guckt nebenbei den Onkeln Lewis, Sebastian, Kimi, Max und Co. beim Drehen von Asphaltrunden in Barcelona zu. Nebenbei generiert er, um mir unter der Woche meine KOMs zu klauen, während ich neun bis zehn Stunden im Büro hocke. Na warte. Und unsere LH geht auf Krücken. Deswegen übernimmt heute ausnahmsweise ein mitgebrachtes Tischlein, auf dem wir unsere Flaschen an der Rundendurchfahrt platzieren, die Verbottelung. Matze Reinfried erbettelt sich noch ein paar Gels von uns, dann geht es auch schon in die Vollen.

Man schlägt ein greisenfreundliches Tempo an – bis zur Brücke mit Bahndamm, wo Matze auf seinem Fully förmlich an mir vorbeischwebt. Hinter dem vor mir Fahrenden sehe ich nicht genau, wo die Ideallinie auf der schmalen Brücke ist, angezeigt wird auch nichts, jedenfalls verfehle ich den Metallsteg, fahre rechts davon in irgendeine Eisenfurche mit Kanten, bleibe hängen und knalle ohne Bike gegen das Brückengeländer. Autsch. Das Bike fliegt irgendwo anders hin. Ohne Geländer wäre das definitiv ein harter Aufschlag drei Meter weiter unten geworden. Rad checken. Okay. Guido checken. Okay. Nur die Pedale streiken. Irgendwann schaffe ich es endlich, einzuklicken. Als gefühlt Letzter nehme ich die Verfolgung auf, kann aber keine vernünftige Leistung abrufen und in Runde eins nur einen Fahrer kassieren. Ich bin etwas neben mir heute. Beim Blick auf die rechte Lenkerseite fällt mir irgendwann im Wald auf, dass ich mein Schwert verloren habe beim Crash. Mein „Sahmurai Sword“, versteht sich. Ganz großer Mist. Nach vier holprigen Downhills, drei steileren, zwei sanfteren Anstiegen und einigen Waldautobahnpassagen ist Runde eins beizeiten gegessen.

Zu Beginn von Runde zwei verbottelt mich mein Tisch aufs Feinste. Der Diesel läuft zumindest gefühlt nun etwas besser, und ich schaffe es, ein paar Leute einzuholen, zwei davon kampflos wegen Defekten. Meine Hinterbremse allerdings macht mir ernsthaft Sorgen. Mitten im Downhill hinab ins Schwarzwassertal verweigert diese zusehends ihren dringend benötigten Dienst. Beim zweiten Downhill schifft es bereits ganz ordentlich. Es ist eher ein Geeier als ein kontrolliertes Fahren. Das Wetter spielt nun ein wenig verrückt. Es ist dunkel, es donnert und kübelt. Was vorher furztrocken war, kann jetzt durchaus ein Bach sein. Selbst die Rundendurchfahrt ist eine einzige Lehmgrube geworden.

Die Streckenverhältnisse sind zu Beginn der dritten Runde übel. Nur Schlamm und Pfützen. Dennoch hole ich jetzt einen Tschechen ein, der aber hartnäckig dranbleibt an meinem Stummelheck. Kurz drauf habe ich einen kleinen Hänger, laut Aufzeichnung zwischen Kilometer 65 bis 80. Man möge mir verzeihen. Mir fehlen so einige Stunden Schlaf in den letzten Wochen. Von hinten kommt der havarierte Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael auf den Tschechen und mich aufgefahren, freundet sich mit dem Tschechen an und nimmt ihn im Schlepptau mit. Ich fahre stur meinen Hobel weiter, um nicht völlig einzubrechen. Mittlerweile friere ich auch ein wenig, obwohl ich relativ dick bin. Im Downhill zur Holzbrücke verabschiedet sich meine Frontfederung. Die Gabel ist dauerblockiert. Ideal für Gelenke und vor allem meinen Rücken. Ich bin froh, als der Downhill passé ist. Von mir aus kann’s jetzt nur noch bergauf gehen. Wunschdenken. Leider schließt sich nun das olle Flachstück an bis zum nächsten Anstieg. Noch streikt der alte Körper. Zum Glück gibt es oben an der Verpflegung Affenkoteletts, wo ich erfolgreich zulange. Es dauert nicht allzu lange, da geht es wieder etwas besser vorwärts – bis dieser Downhill kommt ins Schwarzwassertal. Ich sprinte noch verwegen an einem Biker vorbei, um die Pace darunter zu bestimmen. Nur vergesse ich halt, dass meine Gabel bockhart und mein Hinteranker im Arsch ist. So geschlichen bergab bin ich lange nicht mehr. Ich sage dem hinter mir Fahrenden, er solle mich doch bitte überholen, weil ich nicht mehr vernünftig bremsen kann, er will aber nicht. „Nee, fahr nur!“ Der will sicher sehen, wie ich auf die Schnauze fliege. Dass ich da ohne Crash runterkomme, grenzt an ein kleines Wunder. Die Hände sind natürlich erst einmal taub, den Katzenstein hinauf erhole ich mich zum Glück wieder. Von hier werden nochmals ein längeres Flachstück und ein ruppiger Downhill mein Gemüt strapazieren. Den Downhill überlebe ich, weil der Schlamm ausreichend abbremst. Die letzten Kilometer bis zum Ziel vergehen schnell, nur die finalen fünfzig Meter gehen gar nicht. Schlamm, Schlamm, Schlamm. Alles klebt, kaum noch Rotation; Scotti sieht aus wie ein Fatbike. Ich glaube, zu Fuß ist man dort schneller, aber mein Stolz sagt mir: „Du kommst gefälligst fahrend ins Ziel!“ Gesagt, getan. Am Ende lande ich unter ferner liefen auf Platz 7.

Die Strecke wurde im Vergleich zum letzten Jahr entschärft. Mehr Autobahn, weniger Anstiege. Am Ende keine schlechte Entscheidung bei dem Wetter. David Seidel händigt mir zu meiner Überraschung mein „Sahmurai Sword“ nach Rennende aus. Sein Bruder war der ehrliche Finder. Vielen Dank dafür, sonst wäre er noch teurer geworden, der Spaß, der ohnehin schon 40 EUR gekostet hat. Die Duschen sind leider kalt, und man steht ewig an den beiden Wasserschläuchen an. Ich stelle mich nicht an und reinige das Bike von Hand. Selbst ist der Mann. Eine Finisher-Medaille habe ich auch nicht bekommen. Vermutlich hat man mich durch den ganzen Dreck gar nicht ins Ziel kommen sehen. Na ja … Matze siegt vor dem geschätzten, unkaputtbaren FK und David Seidel.

Nächstes Weekend ist rennfrei, es sei denn, ich entschließe mich, das Nachwuchsrennen des RSV Chemnitz im Rossauer Wald mitzufahren. Mal sehen. Etwas Regeneration kann nicht schaden, und in zwei, drei Wochen sollte es privat auch wieder etwas ruhiger werden.

Bis dahin!

Ergebnisse: hier

(c) by Konzeption-sg

(c) by Konzeption-sg

Dienstag, 9. Mai 2017

26. Sebnitzer MTB-Cup am 07.05.17

Dieses Wochenende steht der Sebnitzer MTB-Cup auf dem Plan von Ziehsohn Christian Schröder und meiner Wenigkeit. Die Anfahrt zieht sich etwas hin, wir zwei sind aber pünktlich vor Ort am AdW in Sebnitz an der tschechischen Grenze. Bei der Anmeldung muss ich als Erziehungsberechtigter von Christian Schröder sogar eine Unterschrift leisten, weil er noch keine 18 Jahre alt ist. Neuland für mich als Neu-Vater. Unsere Flaschen geben wir in die Obhut der noch kränkelnden Laura Hoffmüller, ihren FK begrüßen wir devot, bissl warmfahren tun wir uns auch und drängeln uns vorne in die Startaufstellung. Wie immer halt. Alter vor Schönheit. Unglaublich, aber wahr: Bereits zwanzig Minuten vor dem Start stehen schon um die vierzig Fahrer am Torbogen und lassen mich stutzig werden.

Ich erwische einen gar nicht mal so guten Start; am ersten Nadelöhr kommt’s schon zum Stau. Bereits ab hier ist die Spitze auf Dauer außer Sichtweite. CS und sein Vati spielen jetzt das Spiel „Sammle den Tschechen“, denn einer nach dem anderen platzt vorne raus, und wir holen die Leute ein. Klar, sind auch paar Deutsche darunter; einer von denen steht am Rand und isst rückwärts, manche erleiden Defekte, manche liegen im Wald herum. Die Strecke ist nicht ganz ohne und recht XCO-lastig ausgelegt; viele Tschechen, und die haben ohnehin solide Fahrtechnik, nutzen ein Fully. Und nutzt der gemeine Tscheche ein Fully, dann weiß der gemeine Tscheche, was er tut. Auch viele Deutsche nehmen das Fully, darunter der „60-km-Felix“ Fritzsch und mein Teamkollege, der rückengeplagte Dr. FK. Mein Fully steht zum Verkauf, deswegen hoble ich mit dem Harttail und relativ wenig Luftdruck um den Kurs.
Runde eins bzw. knapp zwölf Kilometer sind recht schnell gegessen, mein Ziehsohn und ich befinden uns mitten im Nirgendwo.

In Runde zwei hat sich das Feld entzerrt, es gibt keinen Stau mehr am Skilift-Downhill. Immer wieder sammeln wir Leute ein, und ich habe wie schon in Runde eins Mühe, in den kurzen Anstiegen das Hinterrad meines Ziehsohns zu halten. Im Prinzip bräuchte ich noch paar Stunden Schlaf nach der letzten Nacht. Frühs daheim war ich so von den Socken, dass ich mir um ein Haar Katzen-Trockenfutter in die Trinkflaschen geschüttet hätte. Grund: Mein Trinkpulver fristet sein Dasein in einem baugleichen Behältnis wie das Katzenfutter.
Unsere Pace ist zumindest so gut, dass wir nun auch auf Dr. O und Dr. FK aufrollen kurz vor einem Anstieg. Zwei Tschechen sind auch dabei. Ein Fahrkünstler verliert just in diesem Anstieg die Traktion, klickt aus, sodass ich blockiert werde. Dr. O alias Robodoc, FK und CS ziehen von Dannen, während ich hinter einem Tschechen festhänge und nicht vorbeikomme auf dem engen Trail. Links ist kein Platz, und rechts überholen kostet außerhalb geschlossener Ortschaften 100 EUR und einen Punkt. Das reguläre Überholen gelingt mir erst weiter oben, wo Platz ist. Nun heißt es erneut, das Loch nach vorne zuzudrücken, was mir nach knapp zehn Minuten endlich gelingt. Doch unmittelbar darauf folgt ein Anstieg, an dem FK etwas Stoff gibt. Ich bin gerade bissl blau vom Aufholen und kann nicht aufschließen. Sehr ärgerlich. Robodoc, CS und FK enteilen wieder. Erneut etwas später klettert Dr. O aus einer recht tiefen Schlammpfütze, wodurch ich ihn kampflos kassieren kann. CS ist auch nicht so weit weg, doch FK macht Druck. Am steilen Laufstück rennt Dr. O an mir vorbei und kann Meter zwischen uns bringen. Meine Beine sind für den Scheiß einfach zu kurz. Das anschließende technische Wurzelstück spielt mir hingegen in die Karten, sodass ich immerhin meinen Ziehsohn einholen kann. Hot Doc ist bereits an ihm vorbei, ich nehme die Verfolgung auf. In der Rundendurchfahrt werden wir von der multitaskingfähigen Laura verbottelt. Ihre FK-Zwerge 2.0 und 3.0 sind übrigens auch am Start beim Laufradrennen. Paul, der Ältere, holt sich souverän den Sieg bei den „Spatzen“ mit einem Vorsprung von einer halben Minute bei einer Renndauer von rund einer Minute. Hammer. Emil, der Jüngere, spurtet auf P5. Das kann was werden in ein paar Jahren …

Runde drei. CS erlitt laut eigener Aussage und seinen Datenaufzeichnungen einen kleinen Einbruch in Runde zwei, sodass sein Vati ihn ab sofort ins Schlepptau nimmt. Wenn ich meine Daten so anschaue, leide ich ständig unter einem Einbruch. Das liegt aber unter Umständen daran, dass mein Herzfrequenzmesser im A… ist und nur erhöhten Ruhepuls anzeigt. 
Was in Runde drei so passiert, weiß ich gar nicht mehr richtig. Ich glaube, ich beiße mir die Zähne aus, Robodoc einzuholen, und habe ziemliches Rückenaua. Ach ja, und ich fahre auf Silvio Hauschild auf. Ziemlich rasant. Sicher Platten. Beim Näherkommen erkenne ich seine weiblichen Rundungen und seine schwarzen, langen Haare. Hmm, Cheise, es scheint dann wohl doch mal wieder seine Freundin zu sein, die im selben Trikot unterwegs ist. Die zwei haben mich schon einmal veralbert. Sie wollen dadurch meine Moral brechen. Erst Blut lecken, dann konsterniert feststellen, dass es gar nicht der Silvio ist, um meinen Kampfeswillen gänzlich zu brechen. Geschickte Taktik.

Auf geht’s in Runde vier. CS klebt nach wie vor an meinem Heck und lässt seinen Vati nicht aus den Augen. Gut erzogen ist er jedenfalls, der Christian. Wir nähern uns allmählich einer Renndauer von zwei Stunden. Der handelsübliche Cross-Country-Fahrer geht zu dieser Zeit langsam, aber sicher blau. Das ist in Sebnitz nicht anders. Innerhalb weniger Minuten holen wir recht viele Fahrer ein. Nur die wenigsten wehren sich. Und schon wieder rückt mir die Freundin von Silvio Hauschild ins Blickfeld. Man kann deutlich ihre kurzen, brünetten Haare und ihren maskulinen Körperbau ausmachen …
Gegen Ende der Runde, in der steilen Laufpassage, rennt mein Ziehsohn an mir vorbei. Auch er hat längere Beine als ich und ist deutlich dünner. Oben angekommen, gast er an, dreht allerdings kurz drauf auf einer nassen Wurzel direkt in front of me einen waschechten One-eighty und legt sich im Dickicht schlafen. In seinem noch knabenhaften Alter braucht man hin und wieder eine Mütze voll Mittagsschlaf. Dieses Mal kann ich nicht warten, weil mir noch ein, zwei überholte Tschechen im Nacken sitzen, die ich gerne abledern würde im letzten Wurzelup- und später -downhill. Das gelingt solide. Meinen letzten Tschechen für heute stelle ich am Col de Ziel. In der Gesamtwertung bedeutet das Platz 13. Eine halbe Runde mehr, hui, da wäre bestimmt noch was gegangen. CS kommt paar Sekunden nach Vati ins Ziel auf P15. FK ist schon eine Weile da und wird nach Protest noch Gesamtsechster und Zweiter bei den Veteranen I. Neuzugang Karin triumphiert bei den Damen. Erstes Rennen, erster Sieg.

Den obligatorischen Schokokuchen von Laura gibt es im Nachgang vor der Siegerehrung, anschließend rollen wir auf vier Rädern und zu dritt – Lauras Schwester Lena im erweiterten Kofferraum – heim nach Karl-Marx-Stadt.

Beim nächsten Mal hoffe ich, etwas ausgeschlafener zu sein. Strecke und Startgeld jedenfalls haben gerockt. Und mit einem Fully macht das Ganze sicher richtig Spaß.

Und tschüss!

Ergebnisse: hier

Vati und Ziehsohn bei der Rundendurchfahrt
(c) by LH

Dienstag, 2. Mai 2017

12. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 29.04.17

Es gibt da ein Rennen in Löbichau, was dem zeitgleich ausgetragenen Bike-Marathon in Riva in fast um nichts nachsteht – weder in Höhenmetern noch in der Anzahl der Starter, noch beim Panorama der Berge im Hintergrund. Na ja, fast, wie gesagt. Vorteil: Es ist in der Nähe und kostet nicht die Welt: der Halden-Bike-Marathon. Eine Drückerrunde vom Feinsten.

Ich melde für die recht kurzen 55 km (laut GPS), weil ich keinen Bock habe, vier Runden über Felder und Wiesen zu brettern; ich habe das schon dreimal getan, und es war hinten raus immer ziemlich öde und langweilig. Die mittlere Runde ist gut besetzt. Neben meinen Teamkollegen Christian Schröder (CS), Lars „der Straßenfahrer“ Strehle und Mike Baumann stehen weitere Helden des MTB-Spochts am Start, auf die ich im Verlauf des Berichts kurz eingehe.

3, 2, 1 … und ab. Nach der gemütlichen Einführungsrunde geht das Gebolze im ersten Trail schon gut los, denn wer vorne fährt, hat Platz und bestimmt das Tempo. Also gase ich ebenfalls etwas mehr an als gewohnt, und siehe da, es klappt ganz gut. Ich hänge nach den engen Trails zwischen dem Duo um Markus Werner (MW) und dem Waldmeister Sascha Heinke und den Verfolgern als Einzelkämpfer im Wind. Das geht auf Dauer nicht gut, sodass ich etwas Tempo rausnehme und mich einholen lasse. Kassiert hätten die mich auf der zwergenfeindlichen Strecke eh in Kürze. Nun zu sechst holen wir die zwei Heißsporne wieder ein, weil dort gerade gebummelt wird. Die Highways aus Schotter fahren wir mal mehr, mal weniger zügig der Halde entgegen. Unterwegs meint ein Fahrer aus unserer Gruppe, ich solle mich opfern und vorne im Wind fahren, weil ich der Dickste bin. Das scheint nicht mal ironisch gemeint gewesen zu sein. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich einige Kilos zu viel auf den Rippen habe. Die ganze Zeit bis hierher zwängte ich meine Wampe in ein Bauch-weg-Korsett – vergebens. Ein Fuchs.
Sofort am Fuß der Halde wird Gas gegeben. Drei-Meter-Mann Lars fährt aufgrund seines Radstandes von sechs Metern unten in der 180-Grad-Kurve quer, muss, weil er im ersten Anlauf nur 90 Grad packt, zurücksetzen und versperrt mir den direkten Weg nach oben. Zum Glück komme ich wieder ran, während Sebastian „Dr. O“ Ortmann eine Schaltpanne ereilt und er vom Hobel muss, um dieselbe zu beheben. Bergab lassen wir’s rollen, was mein Hinterreifen unverschämter Weise mit einem Zischen quittiert. Es ist der zweite Reifen in drei Tagen, bei dem ich mir die Flanke aufschneide. Wäre ich nicht so dick, wäre mir das ganz sicher nicht passiert. Unten angekommen, verabschiede ich mich von Ziehsohn Christian Schröder (CS), und zwar mit der Gewissheit, hier vom Bike zu müssen und einen Schlauch einzuziehen. Was macht CS nun auf sich gestellt ohne seinen Vati? Wird er allein zurück ins Ziel finden? Wie kommt er allein unter so vielen erwachsenen Männern klar? Fragen über Fragen. Doch nach einer Weile hört das Zischen zu meiner Freude auf. Die Milch tat ihr Bestes. Klar, die Luft aus dem Reifen hinten ist zu einem großen Teil raus, aber solange es geradeaus geht, funktioniert das System. Zum Glück gibt’s hier kaum enge Kurven.

Runde zwei beginnen wir zu siebt. Die erkältete Teamkollegin Laura Hoffmüller verbottelt mich multitaskingmäßig. FK 2.0 und 3.0 an der Hand, den Kinderwagen auch, dann noch die Flasche … Hut ab. In den Trails nach Start/Ziel allerdings kämpfe ich mehr mit der Traktion des Hinterrads als mit meinem engen Stützkorsett. Als die Trails vorbei sind, bin ich mit Christian Groß (CG) allein, die fünf Leute da vorn sind erst mal weg, und das, wo jetzt die Drückerpassagen losgehen. Cheise. Wider Erwarten komme ich trotzdem in Schlagdistanz, um mein DRS zu aktivieren, und in einem Schotteranstieg gänzlich an die Gruppe heran, die sicher nicht volle Latte fährt. Mein Glück. CG hat den Anschluss etwas verloren, dockt aber später auch wieder an. Wir bummeln etwas hier und da. Ein Fahrer aus unserer Gruppe meint, dass ich doch vorne im Wind fahren und mich für die anderen opfern solle, weil ich der Schwächste aus der ganzen Gruppe bin. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, habe ein Hologramm von mir per Handy nach vorne projiziert, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich aus der Gruppe geflogen bin zu Beginn der zweiten Runde. Ein Fuchs.
Am Fuße der Halde gibt MW Stoff. Trotz meiner Dick- und Schwachheit kann ich dranbleiben. Oben auf der Kuppe sind wir nur noch zu fünft. Waldi und CG haben den Anschluss verloren. Waldi gibt ehrlich zu, grau zu sein, und CG hat fiese Krämpfe.
Bergab hält der Reifen, bergauf zum Glück auch. Irgendwann kommt dann auch schon zum zweiten Mal das Steilstück. Das kommt man durchaus fahrend hoch, aber in Runde 1 musste ich feststellen, dass man zu Fuß schneller da oben ist. In Runde 2 hat sich daran nichts geändert. Der Straßenfahrer überholt mich rennend. Kein Wunder bei einer Schrittlänge von zweieinhalb Metern. Also runter vom Hobel und mitgerannt. Phillipp Rothe (PR) und CS tun es dem Lars gleich. Ich komme oben direkt hinter PR als Vierter an, stelle mich aber außerordentlich dusselig beim Einklicken ins Pedal an, weil mich mein Stützkorsett behindert. Ich packe es einfach nicht. Sofort hast du fünf, sechs Meter Rückstand, die du einfach nicht mehr zudrücken kannst allein gegen drei Leute, besonders nicht, wenn du dick bist. Das ist doof, aber nicht zu ändern. Am Ende wird es Platz vier. Die ersten Fünf trennen nur Sekunden. PR siegt vor MW und unserem Drei-Meter-Mann. Ziehsohn CS wird Fünfter direkt hinter Vati.

Nach dem Rennen gibt’s Schokokuchen für alle made bei Laura. Ihr Liebster, Sebastian „FK“ Stark, wird trotz seines enormen Handicaps Vierter auf der Langstrecke. Unkaputtbar. Kollege Mike Baumann rollt auf P15 ins Ziel. Und mich deucht, den Po der Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser gesehen zu haben beim Zielanflug. Ihre Platzierung auf der kurzen Runde wird am Ende der vierte Platz sein.

Anschließend geht’s im Tiefflug gen Heimat, wo wie immer die häuslichen Pflichten auf den Hausmann warten.

Bis die Tage!

Ergebnisse: hier

(c) by Jan Dost

(c) by Jan Dost

Montag, 17. April 2017

64. Sachsenringradrennen am 15.04.17

Ich halte mich heute sehr kurz, weil's bei Straßenrennen nicht viel zu berichten gibt. Vor allem nicht, wenn man nur 'ne Stunde zu tun hat auf dem Rad.
 
Das Wetter spielt mit, es ist trocken, aber windig. Rad auspacken, Trikot auspacken, Schuhe auspacken. Cheise, es sind die falschen. Einmal MTB, immer MTB. Es ist 12.18 Uhr, das Rennen beginnt 13 Uhr. Schnell die leibliche Modder anrufen, dass sie dem leiblichen Vadder mitteilt, dass der leibliche Sohn Mist gebaut und das falsche Schuhwerk eingepackt hat. Er, der Vadder, möge doch bitte möglichst zeitnah gen Sachsenring düsen, um dem Wurf die richtigen Schuhe mitzubringen. In der Zwischenzeit borge ich mir Radschuhe von Immanuel Stark (FKJ), der dieselbe Schuhgröße und dasselbe Pedalsystem fährt wie ich. Besten Dank, Alter! Das Warmfahren bei so einer kurzen Belastung ist sehr wichtig, und das funktioniert halt nicht ohne Schuhe.

Um 13 Uhr geht's in die Startaufstellung der Lizenz-Opas, und zwar mit FKJs Schuhen. Um 13.01 Uhr kommt ein mich rufender Bartträger die Zielgerade entlanggerannt. Ich habe mich extra hinten angestellt, falls von hinten ein brüllender Bartträger angerannt kommt. Ja, es ist tatsächlich der Vadder, und er hat die richtigen Schuhe dabei. Der Countdown zum Start wird bereits runtergezählt, aber ich schaffe es noch rechtzeitig, das Schuhwerk zu wechseln. Danke, Vadder! Und danke, Hans Bergert, dass ihr zwei Minuten Verspätung habt.

Da geht's auch schon los. Angasen, bremsen, rechts, links, rechts, noch mal rechts, links, erneut links, wieder links, leicht rechts, rollen lassen, links, wieder links, angasen, fertig. Das Ganze zehnmal. Zwischendurch mal eben von einem Senior ins Grüne abgedrängt. Aber ich bin ja Mountainbiker. Ein anderes Mal fährt mir ein anderer Senior ins Heck. Ich bin immer noch Mountainbiker. "Mit mir könn'ses ja machen, ich hab' so viel Geduld, ich kann nur drüber lachen, ich geb' keinem die Schuld ..." Zweimal versuche ich, mit einer Altherrengruppe wegzukommen. Leider vergeblich. Dann die richtige Zwei-Mann-Gruppe verpasst. Pech gehabt. Beine hui, Auge pfui. Den Zielsprint dann solide auf Gesamtrang 10 beendet und Preisgeld abgefasst, was gleich in Katzennahrung investiert wurde. 
Ja, es war – wie fast immer beim Straßenrennen – deutlich mehr drin. Der Huf war brauchbar, die Taktik als Einzelkämpfer natürlich unbrauchbar. 

So viele Straßenrennen in meiner Klasse gibt es nicht, was bissl schade ist, denn Spaß hat's gemacht. Und das nächste Mal vertausche ich nicht meine Schuhe, versprochen! Wenn dann das Auge noch mitspielt, wird's lustig.

Bye!